Indien-Besuch von Obama : Job-Versprechen für die USA

Bei seinem Besuch in Indien hat Obama vor allem eines im Blick: Neue Jobs in den USA.

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Neu Delhi - Vorsorglich ließen Sicherheitsbeamte sogar die Kokosnüsse von allen Palmen klauben, in deren Nähe Barack Obama kommen könnte – aus Angst, eine der Palmenfrüchte könnte dem US-Präsidenten am Ende noch auf den Kopf fallen. Noch bis Dienstag weilt Obama, dessen „Air Force One“ am Samstag in der Finanzmetropole Mumbai gelandet war, in Indien. Doch nach der Niederlage seiner Partei bei der Kongresswahl nutzte er seine erste Visite im Gandhi-Land zunächst vor allem, um in Amerika Boden gut zu machen.

Beinahe jubelnd kündigte er an, dass US-Konzerne am Rande der Reise Aufträge in Höhe von zehn Milliarden Dollar ergattern oder einfädeln würden. Diese Deals „werden zu mehr als 50 000 Jobs in den Vereinigten Staaten führen“, versprach er den US-Wählern. Die hohe Arbeitslosigkeit war eines der dominierenden Themen im US-Wahlkampf gewesen. „Boeing wird Dutzende Flugzeuge an Indien verkaufen und General Electric Hunderte von Motoren“, freute sich Obama.

Dagegen war in Indien – ganz anders als bei dem Besuch von Obamas Vorgänger George W. Bush 2005 – von Euphorie zunächst nichts zu spüren. „Obama will Jobs für die USA, aber bietet wenig im Gegenzug“, titelte die Zeitung „Mail today“ verärgert. Der Präsident sei lediglich körperlich in Indien, aber nicht politisch.

Zwar mühte sich Obama, die Gastgeber zu umschmeicheln. Doch der US-Präsident, der von seiner Frau Michelle und einer 215-köpfigen Wirtschaftsdelegation begleitet wird, machte kaum einen Hehl daraus, dass er Indien vor allem als Absatzmarkt sieht, um die US-Wirtschaft anzukurbeln und Jobs zu schaffen. Obama warb dafür, dass Indien mehr Waren made in America kauft. Selbst in die Niederlande, einem Land mit einer Bevölkerung so groß wie allein Mumbai, würden die USA mehr ausführen, drängte Obama die Gastgeber.

Auch seine Gedenkrede für die Opfer der Terrorattacke in Mumbai 2008 enttäuschte manche Erwartungen. Bei der dreitägigen Attacke im November 2008, die die ganze Nation schwer traumatisiert hatte, waren fast 170 Menschen ums Leben gekommen. Die Inder glauben, dass die in Pakistan sitzende Terrorgruppe Lashkar-e-Toiba, der auch Kontakte zum pakistanischen Geheimdienst ISI nachgesagt werden, hinter dem Blutbad steckt. Doch Obama habe Pakistan mit keinem Wort in seiner Rede erwähnt, kritisierten die Medien. Vor Studenten in Mumbai bezeichnete Obama dann aber am Sonntag den muslimischen Extremismus in Pakistan als „Krebsgeschwür“.

Tatsächlich scheint Obama Pakistan als Schlüsselfigur im Endspiel in Afghanistan zu sehen. Sehr zum Ärger Neu Delhis hatte Washington Indiens Erzfeind erst kürzlich weitere zwei Milliarden Dollar Militärhilfe zugesagt.

In Indien hofft man nun, dass der US-Präsident seine Rede vor dem Parlament in Neu Delhi an diesem Montag nutzen wird, um auf die Bedenken und Wünsche seiner Gastgeber einzugehen. Indien erwartet einerseits, dass er Pakistan auffordert, kompromisslos gegen den Terror vorzugehen. Zum anderen hofft man, dass er Indiens Wunsch nach einem Sitz im UN-Sicherheitsrat unterstützt. Dass er den Kaschmir-Konflikt offen anspricht, wird nicht erwartet. Die Inder reagieren auf Einmischung Dritter in diese Frage höchst sensibel. Christine Möllhoff

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