Politik : Indische Regierung: Lage im Westen etwas entspannt

Ashwin Raman

Nach vier Tagen blutiger Unruhen zwischen Hindus und Muslimen hat sich die Lage in Westindien am Sonntag nach offiziellen Angaben erstmals etwas entspannt. Augenzeugen berichteten jedoch von weiteren Morden im Bundesstaat Gujarat. So seien in der Sechs-Millionen-Metropole Ahmadabad fünf Muslime, darunter zwei Kinder, erstochen worden. Während ein Regierungssprecher die Zahl der Toten mit 522 angab, sprachen Sozialarbeiter vor Ort von mehr als 2000 ermordeter Menschen. Sulochana Pandit, Sozialarbeiterin der Self Employed Womens Association sagte dem Tagesspiegel: "Genaue Zahlen sind schwer zu nennen, aber mit Sicherheit können wir sagen, dass in den letzten Tagen allein in Ahmadabad 1400 Menschen getötet worden sind. Die meisten waren Muslime."

In indischen Medienberichten wird der Polizei vorgeworfen, zu wenig getan zu haben, um die Muslime zu schützen. Teilweise habe sie sich sogar an den Gewalttaten beteiligt. Nur in den Gegenden, in denen das Militär mit ausdrücklichem Schießbefehl zum Einsatz kam, herrschte eine gewisse Ordnung.

Brutal ermordet wurde auch Ehsan Jafri, ein muslimisches Mitglied des indischen Parlamentes. Wie Augenzeugen schilderten, stürmten am Samstag Hindus sein Haus in Ahmadabad. Die Menge übergoss ihn und weitere Familienangehörige mit Kerosin und zündete ihre Körper an.

Der indische Ministerpräsident Atal Bihari Vajpayee appellierte in einer Fernsehansprache an Hindus und Moslems, die blutigen Ausschreitungen zu beenden. Die religiös motivierte Gewalt sei eine Schande für die Nation, sagte Vajpayee. Inzwischen geht die Landesregierung in Gujarat davon aus, dass die Ereignisse vom 27. Februar keine spontanen Ausschreitungen, sondern eine geplante Aktion waren. Ein Zug mit Hunderten hinduistischer Pilger wurde am Bahnhof in Godhra, 50 Kilometer westlich von Ahmadabad, angegriffen. 58 Hindus kamen ums Leben, als ihr Abteil in Brand gesetzt wurde. Der Ausgangspunkt der Gewalttaten soll eine Auseinandersetzung zwischen den Pilgern und einem Teeverkäufer gewesen sein. Ein Regierungssprecher sagte dem Tagesspiegel: "Der Zug hat den Bahnhof in Godhra verlassen. Als er einen muslimischen Ortsteil erreichte, zog jemand die Notbremse. Die Angreifer waren gut vorbereitet und mit Benzinkanistern und Streichhölzern ausgestattet."

Die Pilger kamen von einer Kundgebung des Weltrates der Hindus im Bundesstaat Uttar Pradesh. Dort wollen die Hindus an einer Stelle, die auch den Moslems heilig ist, einen Tempel errichten. Etwa 80 Prozent der eine Milliarde Inder sind Hindus. Die Moslems bilden mit zwölf Prozent die stärkste religiöse Minderheit.

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