Politik : "Interesse der USA an Europa lässt nach"

Robert von Rimscha

Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker sieht die transatlantischen Beziehungen einem grundlegenden Wandel und großen Herausforderungen ausgesetzt. "Das Interesse an Europa lässt sehr nach", sagte von Weizsäcker am Donnerstag in Berlin über die Schwerpunkte der US-Politik. Ex-Präsident George Bush sei "in gewisser Weise der letzte" Vertreter eines stark auf Europa ausgerichteten US-Regierungsapparates gewesen. Vater Bush bekommt kommende Woche in Berlin den Warburg-Preis der Atlantik-Brücke verliehen, die damit zugleich ihr 50-jähriges Bestehen feiert.

Aus Anlass des Jubiläums der 1952 in Hamburg gegründeten Traditions-Einrichtung bezeichnete von Weizsäcker die Verzahnung von EU-Erweiterung, Nato-Erweiterung und transatlantischen Beziehungen als die entscheidende Aufgabe im beiderseitigen Verhältnis. "Wenn die Nato-Erweiterung zur Erschlaffung der EU-Erweiterung führt, bleibt für Europa wenig mehr als Impotenz, die uns Europäer zu einem permanenten Flugzeugträger machen würde", sagte der Alt-Bundespräsident. "Die Aufgaben der Atlantik-Brücke werden dadurch größer."

Europa werde seinen "Platz im Interesse Amerikas nur begründen", wenn die Alte Welt wisse, was sie sei und was sie wolle. Dass Amerikas Aufmerksamkeit "natürlich nicht auf Europa fokussiert" sei, sieht von Weizsäcker auch als "Preis des Berufspolitikertums". Die Wirtschaft tue nicht genug, um beiderseits des Atlantiks verankerte Persönlichkeiten aufzubauen. "Die atlantische Brücke ist nur haltbar, wenn es hier ein wirkliches Europa gibt", sagte der Alt-Bundespräsident.

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