Internationaler Kindertag : Vergessene Kinder in vergessenen Kriegen

Kinder, die Kriege erleben, leiden meist ihr ganzes Leben unter den Erlebnissen. In der Zentralafrikanischen Republik ist die Situation besonders schlimm, dennoch hat Deutschland seine Beteiligung an einem Befriedungseinsatz eingestellt.

Ulrike Scheffer
Auf der Flucht: Christen aus dem Süden der Zentralafrikanischen Republik haben Schutz in einer Missionsstation gesucht.
Auf der Flucht: Christen aus dem Süden der Zentralafrikanischen Republik haben Schutz in einer Missionsstation gesucht.Foto: AFP

So viele Kriege gab es selten: Syrien, Irak, Libyen, Ukraine, das sind nur die Hauptschauplätze der aktuellen Konflikte. Doch es gibt weitere, man nennt sie auch vergessene Konflikte, denn über sie wird nur wenig oder gar nicht berichtet. Zum Beispiel der Krieg in der Zentralafrikanischen Republik. Seit vor gut zwei Jahren dort Kämpfe zwischen den vorwiegend islamischen Séléka und und der überwiegend christlichen Gegenbewegung "Anti-Balaka" begannen, sind rund 250.000 Menschen auf der Flucht. Tausende wurden getötet. Beide Konfliktparteien gehen äußerst brutal vor und schrecken auch vor Massakern an der Zivilbevölkerung nicht zurück. Ein europäischer Militäreinsatz unter Führung Frankreichs konnte das Morden nicht stoppen. "Selbst im bisherigen Schwerpunkt der internationalen Befriedungsanstrengungen, der Hauptstadt Bangui, gelang die Wiederherstellung einer öffentlichen Ordnung bisher nur ansatzweise", heißt es auf der Homepage des Auswärtigen Amtes.

Traumatisierte Kinder

Die Folgen sind dramatisch. Die Kinderrechtsorganisation "Save the Children" hat in den ersten Monaten des laufenden Jahres Kinder, Eltern und Lehrer in dem Land befragt. Zum heutigen Weltkindertag hat sie die Ergebnisse vorgestellt. Fast alle gaben an, sie hätten Angst, verletzt oder getötet zu werden. Viele berichten, sie seien bedroht, misshandelt oder sexuell missbraucht worden. Etwa zwei Drittel mussten mit ansehen, wie Verwandte oder Freunde angegriffen wurden. Mehr als 60 Prozent der Kinder leiden deshalb an einer Posttraumatischen Belastungsstörung, sie erleben immer wieder Albträume und Angstattacken, sie können sich nur schwer konzentrieren und auch nur schwer emotionale Beziehungen aufbauen. An einen geregelten Schulunterricht ist unter diesen Umständen nicht zu denken. Rund ein Viertel der Kinder in der Zentralafrikanischen Republik nimmt gar nicht am Unterricht teil. Samba Badji, Mitarbeiter von Save the Children in der Zentralafrikanischen Republik, spricht von "desaströsen Auswirkungen". "Wenn wir ihnen nicht helfen, wird eine ganze Generation ihre schrecklichen Erfahrungen über Jahre hinweg emotional nicht überwinden können."

Deutschland beendet Einsatz

Trotz dieser verheerenden Fakten hat Deutschland seine Unterstützung für den von den UN mandatierten EU-Militäreinsatz in der Zentralafrikanischen Republik Ende Februar eingestellt. Bis zu 80 deutsche Soldaten sollten in dem Land eingesetzt werden. Faktisch waren es nie mehr als vier, die im Hauptquartier der Mission saßen. Inzwischen ist auch der EU-Einsatz beendet beziehungsweise in eine reine Beratungs-Mission für die Sicherheitskräfte der Zentralafrikanischen Republik umgewandelt worden. Deutschland beteiligt sich daran nicht.

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