Interview mit General Yahya Saleh : "Al Qaida nutzt die Krise"

Der präsidententreue Chef von Eliteeinheiten in Jemen sieht sich im Kampf gegen den Terror – nicht gegen die eigene Bevölkerung. Ein Interview mit General Yahya Saleh, dem Neffen von Präsident Ali Abdullah Saleh.

Schaurige Ausstellung. Besucher in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa betrachten Fotos von Regierungsgegnern, die bei Demonstrationen und Kämpfen verletzt oder getötet wurden.
Schaurige Ausstellung. Besucher in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa betrachten Fotos von Regierungsgegnern, die bei...Foto:Mohammed Huwais/AFP

Ihr Onkel, Präsident Saleh, wäre um ein Haar bei dem Attentat am 3. Juni ums Leben gekommen. Wer sind die Täter?

Wir haben Verdächtige festgenommen. Wir werden auch die Hintermänner finden. Ich bin überrascht, dass die Opposition nach dem Anschlag den Rücktritt des Präsidenten fordert, obwohl er das Opfer ist. Die Opposition will nur verschleiern, dass sie in das Attentat verwickelt ist. Präsident Saleh aber wird zurückkommen, sobald er gesund ist.

Wie profitiert Al Qaida von der Krise? Die Kämpfer stehen bereits vor Aden.

Al Qaida nutzt die Krise. Sie hat bereits die Städte Zinjibar und Lahj im Süden eingenommen. Ihr Ziel ist nun Aden. Die Staatengemeinschaft sollte verstehen, dass wir nicht gegen das jemenitische Volk kämpfen, sondern gegen den Terror.

General Yahya Saleh ist Chef der jemenitischen Spezialkräfte.
General Yahya Saleh ist Chef der jemenitischen Spezialkräfte.Foto: Eglau

Ein wichtiger General hat sich auf die Seite der Opposition gestellt. Wie wollen Sie den Terror da noch bekämpfen?

Die Spaltung des Militärs kann zum Bürgerkrieg führen. Aber die wichtigsten Einheiten der Armee und die anderen Sicherheitskräfte stehen zum Präsidenten. General Ali Mohsen hat nur wenige Truppen. Er verschanzt sich mitten in der Hauptstadt, bereitet sich auf einen Krieg vor. Wären seine Einheiten außerhalb der Stadt, hätten wir dem Spuk längst ein Ende gesetzt. General Mohsen ist ein Verräter. Saleh hat ihn groß gemacht. Ohne ihn wäre er nicht einmal Türsteher geworden. Und zum Dank lässt er sich nun mit den Islamisten ein.

Die Wirtschaft steht vor dem Zusammenbruch. Es gibt kein Benzin, das Wasser wird knapp. Die Landwirtschaft ist am Boden. Drohen Hungerrevolten?

Die Wirtschaftskrise ist noch gefährlicher als die politische. Sie kann zu einem Volksaufstand führen. Auch hinter der Wirtschaftskrise stehen die Fundamentalisten. Die oppositionellen Stämme sperren die Straßen. Benzin und Lebensmittel kommen nicht durch. Menschen werden entführt. Aber die Bevölkerung begreift nun, dass sich die Islamisten gegen die Regierung verschworen haben.

Aber die Revolution begann im Februar mit Jugendprotesten wie in Ägypten.

Die USA, die Europäer und auch die Deutschen sprechen immer nur über die Jugend, aber sie blenden die jemenitische Realität aus. Sie begreifen nicht, dass die Oppositionsparteien, die Stammesscheichs und Al Qaida die Strippen ziehen. Sie instrumentalisieren die Jugendbewegung für ihre Ziele.  

Was schlagen Sie denn vor?

Wir sind bereit, eine Regierung der nationalen Einheit zu bilden. Einen Rücktritt des demokratisch gewählten Präsidenten und den von der Opposition geforderten Übergangsrat lehnen wir ab.

Die Jugend akzeptiert das nicht – sie fordert ein Ende des Saleh-Regimes.

Seit Februar versucht die Regierung, auf die Jugend einzugehen. Doch die Lage geriet außer Kontrolle. Es gab Vandalismus, Angriffe auf Ministerien – alles im Namen der Revolution. Die Protestbewegung hat nicht die Kraft, die Regierung zu stürzen. Es sind ein paar tausend Leute, die Ärger machen. Aber das Volk steht hinter dem Staatschef. Das ist doch keine echte Revolution. Das ist ein Witz. Die Protestierenden stehen seit fünf Monaten auf der Straße, aber das Volk zieht nicht mit. Der Westen sollte das zur Kenntnis nehmen.

General Yahya Saleh (42) ist Chef der jemenitischen Spezialkräfte, einer von den USA trainierten Eliteeinheit. Mit dem Neffen von Präsident Ali Abdullah Saleh sprach Martin Gehlen.

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