Interview mit Lothar Bisky : "Momentan ist die Linke in einer schlechten Form"

04.01.2012 14:52 Uhrvon
Lothar Bisky (70) ist seit 2009 Vorsitzender der Linksfraktion im Europaparlament. Von 1993 bis 2000 und von 2003 bis 2010 war er Chef von PDS und Linkspartei. Foto:  Mike Wolff
Lothar Bisky (70) ist seit 2009 Vorsitzender der Linksfraktion im Europaparlament. Von 1993 bis 2000 und von 2003 bis 2010 war er Chef von PDS und Linkspartei. - Foto: Mike Wolff

Der frühere Parteichef der Linken, Lothar Bisky, spricht im Interview mit dem Tagesspiegel über den Zustand der Linkspartei, besserwisserische Genossen und die Querelen im Wahlkampf.

Herr Bisky, was unterscheidet die Linkspartei von einem schlechten Film?

Auf Anhieb nichts. Die Absichten sind ja immer gut.

Ein schlechter Film hat zuweilen wenigstens ein Happy End.

Das erhoffe ich mir auch für die Linke, und nicht nur am Ende drangepappt wie beim schlechten Film. Eine Partei hält zum Glück viel aus. Die Linke ist nicht in Not. Sie gerät in Not, wenn die Mitgliedschaft wackelt. Aber noch haben wir zehntausende Mitglieder, und die sind einiges gewöhnt, die haben eine gewisse Beharrlichkeit entwickelt. Warum sollten diese Mitglieder ihre Partei jetzt aufgeben?

An der Basis spüren Sie keine Verunsicherung?

Nein, aber sehr wohl Verärgerung.

Und verärgert bin ich auch. Eine Partei ist ja ein bisschen so wie eine Geliebte. Man liebt sie und ärgert sich zu Tode über sie. Aber nur die Geliebte bringt einen zu solch hoch gesteigertem Ärger. So ähnlich geht es auch der Mitgliedschaft mit ihrer Partei: dass sie mit ihr leidet, wenn es ihr mal nicht so gut geht.

Oskar Lafontaine hat Sorge, dass das „große Projekt“ Linkspartei scheitern könnte. Teilen Sie diese Befürchtung?

Das ist nicht aus den Fingern gesogen. Solche Sorgen hatte ich allerdings bei der PDS früher auch schon immer mal wieder.

Außerhalb der Partei gibt es kaum jemand, der den Niedergang der Linken so richtig bedauert.

Das war noch nie so. Ich gehe davon aus, dass wir in einer Mediokratie leben – also in einer Gesellschaft, in der die Medien die Regeln des Politischen bestimmen und nicht umgekehrt. Mediokratisch lag die Linke immer schlecht. Zurzeit liegt sie mediokratisch sehr schlecht.

Lesen Sie auf Seite 2, wie Bisky den Wahlkampf der Linken bewertet.

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