Interview mit Ronja Kemmer : Die Jüngste im Bundestag

Ronja Kemmer ist mit 28 Jahren die jüngste Abgeordnete im Bundestag. In ihrem Wahlkreis Ulm wird sie wohl auch in diesem Jahr das Direktmandat für die Christdemokraten holen.

Laura Weigele
Ronja Kemmer vertritt die CDU im Bundestag.
Ronja Kemmer vertritt die CDU im Bundestag.Foto: picture alliance / dpa

Frau Kemmer, Sie sind durch tragische Umstände in den Bundestag nachgerückt: Ihr Vorgänger Andreas Schockenhoff starb Ende 2014 unerwartet. Was ging Ihnen durch den Kopf?

Zuerst war es ein Schock. Ich brauchte einen Moment, bis ich realisiert hatte, was das bedeutet. Ich sprach mit meinem Freund und meiner Familie, aber es war schnell klar, dass ich das Mandat annehme.
Ihre eigene Partei hat Sie zu Beginn aufgrund Ihres Alters kritisiert.
Beeinflusst hat es mich nicht, aber ich habe mich geärgert. Es heißt oft, jüngere Menschen interessieren sich nicht für Politik – und dann heißt es, man ist zu jung, wenn man sich engagiert.

Haben Ihnen Kollegen im Bundestag das Gefühl gegeben, dass Sie zu jung sind?

Nein, zum Glück nicht. In unserer Landesgruppe gibt es wenige Frauen und auch sonst wenige junge Abgeordnete. Das war auch ein Vorteil, man hat gesehen, dass wir noch Nachholbedarf haben.

Wie hat sich Ihr Leben verändert?

Ein Mandat verändert das Leben komplett. Ich bin viel in Berlin, aber auch viel im Wahlkreis unterwegs, auch abends und am Wochenende. Mein Mann und ich sind in meinen Wahlkreis Ulm gezogen. Es bleibt wenig Zeit für Familie und Freunde.

Was war Ihr persönliches Highlight?

Die Arbeit im Bundestag wird im Wahlkreis spürbar, wenn man sich für Projekte einsetzt. Ein großer Moment war die Freigabe einer Umgehungsstraße, auf die die Menschen seit Jahrzehnten gewartet hatten. Das war eine enorme Entlastung für die Region.

Ihr Fazit zu Ihrer ersten Wahlperiode?

Ich bereue keinen Tag. Ich mache die Arbeit mit viel Herzblut und sie ist anstrengend. Es wäre auch komisch, wenn das nicht so wäre. Mitglied im Bundestag zu sein, ist eine besondere Aufgabe.

Es ist wahrscheinlich, dass Sie das Direktmandat in Ihrem Wahlkreis am 24. September gewinnen. Welche Pläne haben Sie?

Mir sind vor allem Digitalisierung und Bildung wichtig. Wir müssen den Breitbandausbau voranbringen. Außerdem sollte der Bund die Länder bei der digitalen Bildung unterstützen.

In diesem Jahr kandidieren besonders viele junge Menschen. Was raten Sie ihnen für ihre politische Arbeit?

In der politischen Arbeit muss man sehr offen sein und auf Menschen zugehen können. Ich sehe Politik immer als Dienstleistung. Es sind die unbequemen Fragen, die man angehen muss. Politik tut auch mal weh.

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