• Interview: WWF-Chef: Merkel und Gabriel sind bei der Energiewende vor der Industrie eingeknickt

Interview : WWF-Chef: Merkel und Gabriel sind bei der Energiewende vor der Industrie eingeknickt

Der Präsident der Umweltschutzorganisation WWF Deutschland, Detlev Drenckhahn, kritisiert im Interview das Vorgehen der Bundesregierung hinsichtlich der Energiewende.

Der Präsident der Umweltschutzorganisation WWF Deutschland, Detlev Drenckhahn.
Der Präsident der Umweltschutzorganisation WWF Deutschland, Detlev Drenckhahn.Foto: Thilo Rückeis

Der Präsident der Umweltschutzorganisation WWF Deutschland, Detlev Drenckhahn, hat der Bundesregierung vorgeworfen, bei der Reform des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) zu sehr die Interessen der Industrie berücksichtigt zu haben. "Die Bundesregierung hätte bei der Befreiung von Industrieunternehmen von der EEG-Umlage viele Ausnahmen und damit Begünstigungen zurücknehmen müssen. Kanzlerin und Wirtschaftsminister sind vor der Industrie eingeknickt. Das muss korrigiert werden, um Mittelstand und Bürger finanziell zu entlasten", sagte Drenckhahn dem Tagesspiegel.

Angela Merkel habe aber grundsätzlich verstanden, dass der Klimawandel für die Menschheit eine riesige Herausforderung und Bedrohung sei. "Die Energiewende ist auf gutem Wege, man sollte sie nicht schlechtreden. Aber es müssen viele Dinge nachgesteuert werden", sagte Drenckhahn. So gebe es zum Beispiel für den Gebäude- und Verkehrssektor noch kein vernünftiges Konzept. Der Umweltschützer fordert von der großen Koalition verlässlichere Zusagen zur Energiewende. "Es muss ein Fahrplan gesetzlich verabschiedet werden, der die konkreten  Schritte festlegt, wie wir in allen Sektoren komplett auf erneuerbare Energien umstellen. Die Bundesregierung will bis 2050 etwa 90 Prozent der Treibhausgasemissionen vermeiden. Aber ein solches  Konzept fehlt noch", sagte Drenckhahn.

Dass Merkel und Gabriel in Brüssel strengere Abgaswerte für PKW verhindert hätten, bezeichnete Drenckhahn als falsch. "Die Abhängigkeit von der Autoindustrie spielt immer noch eine zu große Rolle. Deutschland hat sich bei dieser Frage eindeutig falsch verhalten. Das war purer Protektionismus", sagte der WWF-Präsident dem Blatt. (Tsp)

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