Irak : Attentate vor arabischem Gipfeltreffen

von

Kairo - Sechs Tage vor Beginn des Arabischen Gipfels in Bagdad haben sunnitische Terroristen mit einer verheerenden Anschlagsserie in 13 irakischen Städten Panik und Entsetzen ausgelöst. Die simultanen Selbstmordattentate, die die Handschrift von Al Qaida tragen, richteten sich vor allem gegen Polizei, Behörden und schiitische Pilger. Nach Angaben der Behörden starben mindestens 45 Menschen, mehr als 190 wurden verletzt. In Bagdad explodierte eine Autobombe auf dem Parkplatz vor dem Außenministerium, in Kirkuk im Norden nahe einer Polizeizentrale. In der schiitischen Pilgerstadt Kerbala im Süden starben ein Dutzend Menschen, als zwei Sprengsätze in einem Restaurantviertel explodierten. Bei einem Feuerüberfall auf eine Kirche im Westen Bagdads gab es drei Todesopfer.

Parlamentssprecher Osama al Nujaifi verurteilte die Taten als „brutale, kriminelle Akte“ und beschuldigte Al Qaida, sie wolle „den Arabischen Gipfel zerstören“. Für den Irak ist das Treffen der arabischen Staatschefs in Bagdad Anfang kommender Woche eine besondere Premiere. Nach mehr als zwei Jahrzehnten Unterbrechung und nach dem Abzug der Amerikaner will sich das Land erstmals wieder als diplomatisches Vollmitglied in der arabischen Völkerfamilie präsentieren, das auf gutem Weg zu mehr innerer Sicherheit und Stabilität ist. Das Votum für die Metropole am Euphrat war beim letzten Gipfel im libyschen Sirte im März 2010 gefasst worden, neun Monate vor Beginn der Aufstände des Arabischen Frühlings. Ursprünglich für den März 2011 terminiert, wurde das 23. Treffen der arabischen Staatschefs wegen der politischen Turbulenzen um ein Jahr verschoben. Es ist die erste Zusammenkunft seit Beginn der Volksaufstände in Tunesien, Ägypten, Libyen, Bahrain und Syrien. Nicht eingeladen ist Syrien, dessen Mitgliedschaft in der Arabischen Liga seit November 2011 suspendiert ist.

Bereits Ende Februar hatte die Terrorgruppe „Islamischer Staat im Irak“ nach einer ähnlich schweren Anschlagswelle in einem Manifest angekündigt, man werde den Gipfel angreifen und „einen Krieg gegen die verabscheuungswürdigen Schiiten“ führen. Damals waren 60 Menschen getötet und mehr als 250 verletzt worden. Martin Gehlen

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben