Irak : "Chemie-Ali" soll nicht alleine sterben

Das Todesurteil gegen Saddam Husseins Cousin Ali Hassan al-Madschid sollte eigentlich in den nächsten Tagen vollstreckt werden. Nun weigern sich die irakischen Behörden, die Hinrichtung vorzunehmen. Das irakische Kabinett fordert, dass „Chemie-Ali“ nicht alleine stirbt.

Chemie-Ali
"Chemie-Ali", Ali Hassan al-Madschid, wurde im vergangenen Jahr zum Tode verurteilt. -Foto: dpa

BagdadDie irakische Regierung will nicht, dass Ali Hassan al-Madschid ("Chemie-Ali") alleine hingerichtet wird. Die in Bagdad erscheinende Zeitung "Al-Sabah" zitiert am Mittwoch aus einer Erklärung der Regierung, in der es heißt: "Das Kabinett ruft dazu auf, die Urteile gegen die drei Angeklagten auf einmal zu vollstrecken."

Al-Madschid, der seinen makabren Spitznamen wegen der von ihm befehligten Giftgasangriffe auf kurdische Dörfer trägt, ist ein Cousin von Ex-Präsident Saddam Hussein. Er war im Juni vergangenen Jahres zusammen mit dem ehemaligen Verteidigungsminister Sultan Haschim Ahmed und dem früheren stellvertretenden Kommandeur der Streitkräfte, General Hussein Raschid al-Tikriti, wegen Völkermordes an den Kurden zum Tode verurteilt worden.

Nur Befehle ausgeführt

Staatspräsident Dschalal Talabani und sein sunnitischer Vize Tarik al-Haschimi hatten jedoch im Februar nur das Todesurteil gegen "Chemie-Ali" unterschrieben. Die anderen beiden Urteile unterzeichneten sie nicht. Sie begründeten das damit, dass die anderen beiden Männer als Militärs im Feldzug gegen die Kurden in den Jahren 1988 und 1989 nur Befehle ausgeführt hätten.

Das Kabinett erklärte nun, die irakischen Behörden seien nicht bereit, Al-Madschid von den US-Truppen entgegenzunehmen, solange die anderen beiden Verurteilten nicht ebenfalls überstellt würden. Saddams Cousin und andere hochrangige Funktionäre des alten Regimes sitzen in einer von den amerikanischen Truppen kontrollierten Haftanstalt ein.

Nach irakischem Recht müsste "Chemie-Ali" in den nächsten Tagen gehängt werden. Irakische und internationale Prozessbeobachter haben mehrfach die "Einmischung der Regierung" in die Verfahren des Sondertribunals für die Verbrechen des Saddam-Regimes beklagt. (iba/dpa)

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