Irak : Schwere Kämpfe - US-Truppen töten Dutzende Sadr-Anhänger

Was als Erfolgsschlag gilt, kann auch weitere Gegenkämpfe auslösen. Al-Sadr ist nach wie vor nicht bereit, seine Anhänger dazu zu bringen, die Waffen niederzulegen. Die Folge: Die Kämpfe gehen weiter, Bagdad hat seine Ausgangssperre verlängert.

BagdadDie amerikanischen Truppen in Bagdad haben nach eigenen Angaben Dutzende Kämpfer der Miliz des Schiiten-Predigers Muktada al-Sadr getötet. Das Militärkommando teilte am Sonntag mit, alleine am Freitag und Samstag hätten die US-Soldaten in der irakischen Haupstadt insgesamt 43 "Terroristen" und "kriminelle Kämpfer" getötet. Eine irakische Spezialeinheit habe am Samstag in der seit Anfang der Woche umkämpften südlichen Hafenstadt Basra 22 Milizionäre getötet.

Ein führendes Mitglied der Sadr-Bewegung warf den Regierungstruppen und der US-Armee vor, sie habe in Bagdads östlicher Schiiten-Vorstadt Sadr-City am Samstagabend mit Kampfflugzeugen und Helikoptern willkürlich Wohnhäuser bombardiert. "Es scheint, dass (Ministerpräsident Nuri) al-Maliki von Hysterie erfasst worden ist", sagte Fatah al-Scheich.

Ausgangssperre in Bagdad verlängert

Derweil ist die in der irakischen Hauptstadt Bagdad geltende Ausgangssperre am Samstag auf unbestimmte Zeit verlängert worden. Diese Entscheidung des Militärkommandos wurde am Abend vom irakischen Fernsehen verbreitet, berichtete der britische Sender BBC. Damit reagierten die Militärs auf die Fortsetzung der schweren Kämpfe der Armee mit den Schiiten-Milizen, nachdem der radikale Predigers Muktada al-Sadr eine Kapitulation abgelehnt hatte. Die am Donnerstag verhängte Ausgangssperre in Bagdad sollte ursprünglich bis Sonnenaufgang am Sonntag dauern.

Seit Beginn der Kämpfe zwischen der Sadr-Miliz und den Regierungstruppen am Dienstag in der südlichen Hafenstadt Basra sollen mehr als 200 Menschen getötet worden sein. Die Gefechte hatten sich von Basra auf Bagdad und andere Städte ausgeweitet. Ministerpräsident Nuri al-Maliki zeigt sich weiterhin entschlossen, den Widerstand zu brechen und die Sicherheit und Ordnung wiederherzustellen.

Kritiker werfen al-Maliki vor, die Militäroperation schlecht geplant zu haben. Der irakische Verteidigungsminister Abdul Kader al- Obeidi gab am Samstag nach einem Bericht der "New York Times" in Basra zu, dass die Offensive nicht nach Plan verlaufe. Die Iraker seien von der Heftigkeit des Widerstands überrascht worden. Seit Tagen werden die Iraker durch Einsätze der US-Luftwaffe unterstützt. Auch die britische Artillerie griff in Basra ein.

Al-Sadr: US-Truppen sollen verschwinden

Al-Sadr weigert sich, seinen Anhängern zu befehlen, die Waffen niederzulegen. Nach Worten eines Vertrautern des Predigers, die der US-Nachrichtensender CNN zitiert, wollen seine Kämpfer ihre Waffen nur einer Regierung übergeben, die die Besatzer aus dem Land wirft.

Al-Sadr rief in einem Interview mit dem arabischen Nachrichtensender Al-Dschasira in der syrischen Hauptstadt Damaskus, die Arabische Liga, die Organisation der Islamischen Konferenz (OIC), und die Vereinten Nationen zur Anerkennung des "irakischen Widerstands" auf. Die arabischen Staaten sollten den Kampf seiner Miliz gegen die "US-Besatzung" unterstützen. Die Popularität der USA nehme "jeden Tag und jede Minute" ab. Die Besatzungstruppen sollten den Irak "so bald als möglich" verlassen. (saw/dpa)

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