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IS-Attentat in Barcelona : Tote und Verletzte durch Terror auf den Ramblas

Auf der Touristenmeile in Barcelona ist ein Lieferwagen in eine Menschengruppe gefahren. Es gibt dutzende Opfer. Der IS hat sich zu dem Attentat bekannt.

von und Pascale Müller
Menschen verlassen mit erhobenen Händen ein Fast-Food-Restaurant in der Innenstadt.
Menschen verlassen mit erhobenen Händen ein Fast-Food-Restaurant in der Innenstadt.Foto: Josep Lago/AFP

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In Barcelona ist am Donnerstag ein Transporter in eine Menschenmenge gefahren. Bei dem Attentat seien mindestens 13 Menschen getötet und über 100 verletzt worden, sagte der katalanische Regierungschef Carles Puigdemont am Donnerstagabend in Barcelona. Deutsche Sicherheitskreise sagen, es werde Hinweise nachgegangen, unter den Todesopfern befänden sich drei Deutsche. Die IS-Terrormiliz hat laut ihrem Sprachrohr Amak den Terroranschlag für sich reklamiert. Einer „der Soldaten des Islamischen Staates“ habe die Tat ausgeführt, meldete Amak am Donnerstag im Internet unter Berufung auf nicht näher genannte Sicherheitsquellen.

Zwei Verdächtige wurden festgenommen. Nach Auskunft eines Polizeivertreters handelt es sich bei keinem davon um den Fahrer des Kleintransporters. Einer der Festgenommenen wurde als Driss O. identifiziert, wie ein Sprecher der Polizeigewerkschaft sagte. Er soll das Tatfahrzeug gemietet haben und soll aus Marokko stammen. Der andere Mann stammt aus der spanischen Enklave Melílla. Bislang ist unklar, ob O. als Islamist bekannt war. Deutsche Sicherheitskreise bestätigten dem Tagesspiegel die Einschätzung, dass es sich um einen terroristisch motivierten Anschlag nach den Vorbildern von Nizza und Berlin handelt: Einzeltäter mit islamistischem Hintergrund.

Der Vorfall ereignete sich kurz nach 17 Uhr auf der Touristenmeile Las Ramblas. Wie "El País" schreibt, soll der weiße Transporter auf den Ramblas, die im Sommer voller Touristen sind, 530 Meter weit in die Menge gefahren sein. Danach habe der Fahrer den Lieferwagen verlassen und sich zu Fuß entfernt haben. Fotos von Anwohnern im Internet zeigten Tote am Straßenrand. Die betroffene Gegend wurde weiträumig abgesperrt. Die Polizei dementierte Berichte, nach denen sich der oder die Täter in einer Bar verschanzt haben sollen.

Vieles bleibt noch unklar

Trotz der Bekennung, die Amaq für den IS verbreitet hat, bleibt unklar, ob ein Täter oder mehrere für den Anschlag verantwortlich sind. Auf Deutsch ist bei Amaq von "die Ausführer des Angriffs" und "Soldaten des Islamischen Staates" die Rede. Auf Spanisch hingegen wird nur ein Täter erwähnt, "el responsable del ataque". Außerdem bleibt unklar, ob Driss O. das Fahrzeug gemietet, das über die Ramblas raste, oder sein Bruder Moussa. Deutsche Sicherheitskreise bleiben jedoch dabei, dass der Anschlag in Barcelona in einer Reihe mit den Angriffen in Nizza und Berlin zu sehen ist. In beiden Städten war ein Einzeltäter mit einem Lkw in eine Menschenmenge gefahren. Auch wenn in Barcelona bis zu drei Täter beteiligt gewesen sein könnten, sei die Tat nach bisherigen Erkenntnissen vermutlich dem individuellen Dschihad zuzurechnen, sagten Sicherheitsexperten. Der IS animiere seine Anhänger, auf eigene Faust Anschläge zu verüben. Ob diese dann als Einzeltäter handelten oder als Kleinstgruppe, mache keinen großen Unterschied.

Augenzeugen sprachen im staatlichen spanischen Fernsehen von einem Einzeltäter, der Anfang 20 gewesen sein soll. Der weiße Lieferwagen sei ungebremst mit etwa 80 Stundenkilometern in die Menge gerast. Nach Angaben der spanischen Polizei hat sich um kurz vor halb neun deutscher Zeit auf einer Autobahn ein Zwischenfall an einem Kontrollpunkt ereignet. Ein Wagen hat dabei zwei Beamte umgefahren. Inwiefern der Vorfall mit dem Terroranschlag zusammenhängt ist unklar.

Die Beamten waren mit einem großen Aufgebot vor Ort und forderten die Bevölkerung auf, die Region zu meiden. Zahlreiche Krankenwagen waren im Einsatz. Viele Menschen liefen in Panik über die Straßen. Naheliegende U-Bahn-Stationen und andere öffentliche Verkehrsmittel seien geschlossen worden, hieß es. Der Verkehr im Zentrum der Stadt sei zusammengebrochen, berichteten Augenzeugen. Die Geschäfte auf den Ramblas hätten geschlossen und ihre Fensterläden heruntergelassen.

Der Verkehr im Stadtzentrum ist zusammengebrochen

Eine Berliner Studentin, die derzeit in Barcelona nahe dem Tatort wohnt, sagt dem Tagesspiegel, "die Straßen sind menschenleer, nur Polizei ist zu sehen und der Hubschrauber über uns". Die Polizei fordere Leute auf, nach Hause zu gehen. "Wir sind alle total aufgelöst", sagt die Berlinerin, die namentlich nicht genannt werden möchte. Sie und ihre Freunde seien alle "am Handy", um Familienangehörige und Freunde anzurufen und ihnen zu sagen, "dass wir in Sicherheit sind". Deutsche Sicherheitskreise sagen, bislang gebe es keine Hinweise, dass Bundesbürger bei dem Anschlag getötet oder verletzt wurden. Das Generalkonsulat in Barcelona versuche, Informationen über mögliche deutsche Opfer zu bekommen. Realistisch sei allerdings, dass es erst morgen verlässliche Informationen geben werde.

Nach dem Terroranschlag hat das Auswärtige Amt seine Sicherheitshinweise für Spanien aktualisiert. „Reisenden wird geraten, den Bereich weiträumig zu meiden, den Anweisungen der Sicherheitskräfte Folge zu leisten und sich über die lokalen Medien zu informieren“, teilte das Auswärtige Amt am Donnerstagabend mit.

Innenminister de Maizière: "Terror hat wieder seine hässliche Fratze gezeigt"

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hat den Opfern seine Anteilnahme ausgedrückt. „Ich bin tief erschüttert über die schrecklichen Nachrichten aus Barcelona. Erneut hat der Terror seine hässliche Fratze gezeigt“, wird der Minister am Donnerstagabend in einer Mitteilung des Ministeriums zitiert. „In tiefer Trauer bin ich bei den Opfern und deren Angehörigen. Unsere Solidarität gilt dem ganzen spanischen Volk.“ Auch Außenminister Sigmar Gabriel zeigt sich tief erschüttert. "Wir stehen in diesem schweren Moment ganz fest an der Seite unserer spanischen Freunde. Wir stehen zusammen, wir werden uns nicht dem Terrorismus beugen, er wird uns nicht entzweien."

Seit vergangenem Sommer war es in Europa wiederholt zu Anschlägen mit Fahrzeugen gekommen. Im Juli 2016 raste ein Attentäter mit einem Lkw auf dem Strandboulevard von Nizza in eine Menschenmenge. 86 Menschen starben. Beim Anschlag mit einem gekaperten Laster auf den Berliner Weihnachtsmarkt kamen im Dezember zwölf Menschen ums Leben. Im Frühjahr 2017 gab es zudem tödliche Attacken mit Fahrzeugen in London und Stockholm.

(mit dpa, AFP, Reuters)

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