"Islamischer Staat" : Vertreibung des IS aus Kobane könnte Gefahr für den Westen bergen

Nach ihrer Niederlage in der syrischen Stadt Kobane haben sich Kämpfer des "Islamischen Staats" offenbar in die Türkei abgesetzt. Deren Geheimdienst warnt vor Terrorzellen und Anschlägen auf Botschaften.

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Richtung Türkei? Dschihadisten aus Kobane sollen die Grenze überquert haben.
Richtung Türkei? Dschihadisten aus Kobane sollen die Grenze überquert haben.Foto: Sedat Suna/dpa

Aus einem der bisher wichtigsten Siege über die Dschihadisten-Miliz "Islamischer Staat" (IS) in Syrien könnte eine gefährliche Bedrohung für den Westen entstehen. Der Geheimdienst der Türkei hat laut Presseberichten die Polizeibehörden vor IS-Einheiten gewarnt, die sich nach ihrer Vertreibung aus der nordsyrischen Stadt Kobane in die Türkei abgesetzt haben sollen. Eine neue Vereinbarung zwischen der Türkei und den USA zur Ausbildung neuer Rebellenverbände für Syrien könnte den IS zusätzlich gegen Ankara aufbringen. Westliche Einrichtungen, darunter Botschaften in Ankara, stehen laut den Berichten im Visier des IS.

Nach ihrer Niederlage in Kobane im Januar seien etliche Dschihadisten über die Grenze gekommen und hielten sich seitdem in der Türkei verborgen, berichtete der Geheimdienst MIT. Unter ihnen seien Führungskader, die für die Vorbereitung von Anschlägen zuständig seien. Rund 3000 weitere IS-Kämpfer warteten auf der syrischen Seite der Grenze darauf, ebenfalls in die Türkei zu kommen.

Botschaften und Konsulate in Ankara und Istanbul sollen bereits vom "Islamischen Staat" ausgekundschaftet worden sein, meldeten die Zeitungen unter Berufung auf den Geheimdienst MIT. Ob auch die in der Nähe der Grenze zwischen Türkei und Syrien stationierten deutschen, spanischen und US-amerikanischen Flugabwehrbatterien des Typs "Patriot" zu den potenziellen Anschlagszielen gehören, ging aus den Berichten nicht hervor. Aus Diplomatenkreisen in Ankara verlautete, von einer Warnung der türkischen Behörden sei nichts bekannt.

Als Flüchtlinge getarnt

Möglicherweise geben sich einige IS-Kämpfer als syrische Flüchtlinge aus und versuchen, nach Europa zu kommen, um dort Anschläge zu verüben, heißt es in dem Bericht des Geheimdienstes. Die "Gotteskrieger" hatten die Belagerung Kobanes nach rund vier Monaten aufgeben müssen; Luftangriffe der USA und ihrer Verbündeten spielten eine wesentliche Rolle bei der Niederlage der Dschihadisten.

Nicht zuletzt aus Angst vor IS-Anschlägen in der Türkei hat die Regierung in Ankara bisher eine aktive Beteiligung an der westlich-arabischen Militärallianz gegen die Islamisten in Syrien und im Irak vermieden. Westliche Staaten werfen der Türkei vor, Terrorgruppen im Grenzgebiet zu lange toleriert zu haben, in der Hoffnung, dass diese Milizen den Sturz des türkischen Erzfeindes und syrischen Präsidenten Baschar al Assad beschleunigen. Ankara weist dies zurück.

Militärisches Training für syrische Rebellen

Nun engagiert sich die Türkei stärker als bisher im Bündnis gegen den "Islamsichen Staat". Ankara und Washington unterzeichneten eine Vereinbarung zur gemeinsamen Ausbildung und Ausrüstung neuer syrischer Rebellenverbände unterzeichnet werden. Das Training der rund 2000 Kämpfer soll im März in Zentralanatolien beginnen. Die Rebelleneinheiten sollen nach dem Willen der Türkei in Syrien vor allem gegen Assads Truppen kämpfen, während die USA einen Einsatz gegen den IS favorisieren.

Die Warnung des Geheimdienstes vor IS-Anschlägen wurde während der Verhandlungen mit den USA über die Rebellen-Ausbildung bekannt. Möglicherweise deutet das darauf hin, dass die Dschihadisten die Türkei wegen der engeren Zusammenarbeit mit den USA als Zielgebiet von Anschlägen betrachten.

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