Politik : Israel: Fünf Palästinenser bei Unruhen in Jerusalem getötet

Michael Streck

Bei den blutigsten Ausschreitungen auf dem Tempelberg in der Altstadt Jerusalems seit vier Jahren sind am Freitag fünf Palästinenser getötet worden. Mehr als 200 Palästinenser sowie zahlreiche israelische Polizisten wurden schwer verletzt. Der israelische Ministerpräsident Ehud Barak hat nach den blutigen Ausschreitungen auf dem Tempelberg in Jerusalems am Freitag seine für Sicherheit zuständigen Minister zu einer Sondersitzung einberufen. Wie der israelische Rundfunk am Abend berichtete, baten Israel und die Palästinenser nach den Zusammenstößen die USA um Vermittlung in dem Streit, um den Friedensprozess nicht zu gefährden.

Zu den schweren Zusammenstößen war es nach dem traditionellen Freitagsgebeten in der Al-Aksa Moschee und dem Felsendom gekommen. Hunderte von Palästinensern stürmten nach dem Gebet mit dem Ruf "Allah ist groß" aus den Gotteshäusern und bewarfen israelische Polizisten mit Steinen. Außerdem bombardierten sie jüdische Gläubige, die sich wegen des jüdischen Neujahrsfests an der Klagemauer am Fuß des Tempelberges zu Tausenden zum Gebet versammelt hatten, mit einem Steinhagel. Der Polizeichef von Jerusalem, Jair Jitzchaki, ließ daraufhin das Gelände von der Polizei stürmen, die mit Schlagstöcken, Tränengas und Gummimantel-Geschossen gegen die Demonstranten vorging. Jitzchaki selbst wurde bei den Ausschreitungen verletzt, die mehr als zwei Stunden andauerten. Viele der Verletzten wurden von Gummimantel- Geschossen am Kopf getroffen und verloren ihr Augenlicht. Der Tempelberg und seine Umgebung sahen nach den Zusammenstößen wie ein Schlachtfeld aus. Mehrere Autos, darunter ein Krankenwagen, standen in Flammen. Am Nachmittag beruhigte sich die Lage auf dem Gelände wieder, doch wurden aus anderen arabischen Stadtteilen und Orten außerhalb Jerusalems gewalttätige Auseinandersetzungen gemeldet. Der staatliche palästinensische Rundfunk hatte zuvor die Palästinenser aufgefordert, auf den von Juden und Moslems als Heiligtum verehrten Tempelberg zu kommen, "um die Al-Aksa Moschee zu schützen".

Wenige Stunden vor Beginn der Ausschreitungen hatte ein 26-jähriger palästinensischer Polizist in Kalkilia im Westjordanland einen israelischen Soldaten erschossen und einen zweiten leicht verletzt.

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