Politik : Israel hat gewählt: Westen mahnt Scharon zum Frieden

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Mit Appellen zur Fortsetzung des Nahost-Friedensprozesses haben am Mittwoch Staatsmänner aus aller Welt ihre Glückwünsche an den neugewählten israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon entsendet. Scharon dagegen kündigte einen Kurswechsel bei den Friedensverhandlungen mit den Palästinensern an. Deren Präsident Arafat gratulierte Scharon und äußerte die Hoffnung, dass es in diesem Jahr einen Frieden ohne Verlierer gebe.

Scharon war am Dienstag mit 62,5 Prozent der Stimmen gewählt worden, Barak kam auf 37,4 Prozent. US-Präsident George W. Bush erklärte, Washington werde dem neuen Regierungschef eine Chance geben, "das umzusetzen, was er angekündigt hat". Der britische Außenminister Cook erklärte: "Das israelische Volk hat entschieden, und wir werden selbstverständlich die Person akzeptieren, die es zum Ministerpräsidenten gewählt hat." Die Mehrheit der Israelis wolle aber auch ein Nahost-Friedensabkommen. Premierminister Blair bot Scharon Unterstützung bei der Suche nach Frieden an. Die EU drückte die Hoffnung aus, "dass Scharon den Friedensprozess am Leben erhält". Bundeskanzler Schröder betonte, der 72-Jährige sei in einer entscheidenden Phase des Friedensprozesses gewählt worden.

Große Zweifel über den Friedenskurs Scharons äußerte der norwegische Außenminister Thorbjörn Jagland: "Wenn Scharon all das verwirklicht, was er im Wahlkampf gesagt hat, muss man sich mit gutem Grund darüber Sorgen machen, was passieren kann." Norwegen hatte 1993 maßgeblich am so genannten Oslo-Abkommen zwischen Israelis und Palästinenser mitgearbeitet. Ägyptens Präsident Mubarak nannte Scharons Äußerungen "nicht ermutigend". Scharon stellte klar, dass er Jerusalem weder teilen noch den Palästinensern mehr Gebiete zugestehen will, als sie jetzt haben. Der Likud-Politiker Schetrit räumte ein, "dass wir Zugeständnisse machen müssen". Palästinensische Regierungsvertreter erklärten, sie seien bereit, mit Scharon zu verhandeln, solange er sich dem Friedensprozess verpflichtet fühle. Unterhändler Erakat nannte Scharons Ansichten "ein Rezept für Krieg".

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