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Israelische Experten : Kein Krieg gegen den Iran

Israelische Militärexperten dementieren die Spekulationen um einen Militärschlag gegen den Iran. Der Iran wehrt sich derweil heftig gegen die Vorwürfe. Die Opfer sind inzwischen nach Hause gebracht worden.

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Der Reisebus, in dem der Attentäter die Bombe gezündet hatte, wurde mittlerweile abtransportiert.
Der Reisebus, in dem der Attentäter die Bombe gezündet hatte, wurde mittlerweile abtransportiert.Foto: AFP

Israelische Experten gingen jedoch davon aus, dass eine israelische Vergeltung andere Formen annehmen würde. “Eine Antwort, wie auch immer sie ausfallen mag, wird nicht die Form eines Luftangriffs annehmen“, sagte der ehemalige Nationale Sicherheitsberater und General im Ruhestand Giora Eiland dem Sender Israel Radio. Vermutlich werde sie auch nicht sofort erfolgen. Netanjahus ehemaliger Sicherheitsberater Usi Arad sagte dem Militärfunk, das Attentat in Bulgarien sei Teil einer “Dynamik der Eskalation“. Die israelische Regierung solle jedoch die Geheimdienste und Sicherheit stärken.

Israels Verteidigungsminister Ehud Barak hatte erklärt, der Angriff am Vortag sei von der radikalen Schiiten-Gruppe Hisbollah ausgeführt worden, die vom Iran gefördert werde. Israelische Experten gingen nicht davon aus, dass der Vorfall zu einem Krieg zwischen beiden Staaten führen würde. Das bulgarische Innenministerium gab unterdessen neue Einzelheiten zur Tat bekannt. So habe es sich um einen Selbstmordanschlag gehandelt. Bei der

Israel macht die Führung in Teheran und die libanesische Hisbollah für den Selbstmordanschlag in Burgas verantwortlich. Israels Reaktion auf den Terror im Urlaubsort Burgas werde hart ausfallen, kündigte Staatspräsident Schimon Peres vor Journalisten an: „Wir werden jedes Mördernest an jedem Ort aufspüren“.

Wie der israelische Geheimdienst dies anstellen will, ist allerdings noch unklar. „Wir müssen schlau vorgehen“, sagte der stellvertretende Außenminister Danny Ajalon. „Wir dürfen nicht aus der Hüfte schießen.“ Der neue Anschlag mit sieben Toten verdeutlicht das Dilemma Israels als Staat im Dauerkonflikt, dessen Bürger im Ausland besonders gefährdet sind. Israelis fahren gerne und oft in Urlaubsorte in aller Welt, können dort jedoch ins Visier von Terroristen geraten. Der israelische Militärexperte Ron Ben-Jishai sagte am Donnerstag, die Sicherheitsvorkehrungen in Bulgarien seien nicht zu vergleichen mit jenen für israelische Touristen etwa in Deutschland. „Dort gibt es extra gesicherte Terminals für israelische Flüge“, sagte Ben-Jishai.

Israel nimmt nach dem blutigen Selbstmordanschlag auf seine Landsleute in Bulgarien nun auch den Iran ins Visier. Izchak Aharonowitsch, Minister für Innere Sicherheit, sagte am Donnerstag, es bestehe „kein Zweifel“ daran, dass der Iran hinter der Tat am Flughafen der Schwarzmeerstadt Burgas stehe. Man werde mit den Verantwortlichen „die Rechnung begleichen“, sagte er laut der israelischen Nachrichtenseite ynet.

Aus Teheran kam hingegen ein scharfes Dementi. Im iranischen Staatsfernsehen hieß es, die Vorwürfe Israels seien lächerlich und nur darauf bedacht, Stimmung gegen den Iran zu machen. Auch die mit dem Iran verbündete Hisbollah-Organisation im Libanon nannte die Vorwürfe aus Jerusalem in einer offiziellen Reaktion lächerlich.

Auch der israelische President Shimon Peres äußerte bereits seine Erschütterung über die Anschläge: Israel werde Brutzellen von Terroristen weltweit aufspüren und zurückschlagen.
Auch der israelische President Shimon Peres äußerte bereits seine Erschütterung über die Anschläge: Israel werde Brutzellen von...Foto: Reuters

Bei dem Anschlag seien insgesamt fünf Israelis, ein bulgarischer Busfahrer sowie der mutmaßliche Selbstmordattentäter getötet worden, sagte der israelische Außenminister Avigdor Lieberman. Nach seiner Darstellung hat Israel „zuverlässige Informationen“ über die Drahtzieher der blutigen Tat. „(Die libanesische) Hisbollah steht hinter dem Anschlag, in enger Zusammenarbeit mit den iranischen Revolutionsgarden“, sagte Lieberman dem Rundfunk. Beweise hatte die Regierung bis zum Donnerstag nicht öffentlich gemacht.

Der Anschlag auf israelische Touristen am Flughafen der Schwarzmeerstadt Burgas ist nach Angaben der bulgarischen Regierung von einem Selbstmordattentäter verübt worden. „Die Explosion wurde von einem Mann hervorgerufen, der bei dem Anschlag getötet wurde“, sagte Innenminister Zwetan Zwetanow am Donnerstag. Der Mann hatte demnach eine gefälschte Fahrerlaubnis aus dem US-Bundesstaat Michigan als Reisedokument bei sich. Er sei mit einem Rucksack unterwegs gewesen und habe mit Shorts bekleidet wie ein gewöhnlicher Tourist ausgesehen. Seine Identität sei noch nicht geklärt.
Zwetanow zufolge wurden bei dem Anschlag acht Menschen getötet - sechs Israelis, der bulgarische Busfahrer und der Selbstmordattentäter. 31 weitere Israelis seien verletzt worden. Die meisten von ihnen seien in ein Krankenhaus von Burgas gebracht worden. Etwa 70 Israelis - darunter leicht verletzte Opfer des Angriffs - wurden nach Angaben des Innenministeriums mit einem Flugzeug der bulgarischen Regierung in die Heimat gebracht. . Der Flughafen der Stadt wurde vorübergehend gesperrt. Zwetanow zufolge soll er am Donnerstagabend wieder freigegeben werden.


Der Anschlag hatte sich gegen einen Bus gerichtet, der israelische Touristen nach ihrer Landung in das Terminal bringen sollte. Sie waren am Mittwoch aus Israel kommend in einer Maschine mit 151 Menschen an Bord in Burgas gelandet. Die israelische Regierung machte den Iran für die Tat verantwortlich. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sprach in einer Erklärung von einer „iranischen terroristischen Offensive“. (AFP/dpa/Reuters)

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