Italien : Ein Komiker gegen Berlusconi

Der linksgrüne Beppe Grillo ist der beliebteste Komiker Italiens – und ein Stachel im Fleisch der italienischen "Partitocrazia". Nun will er es auch politisch mit Berlusconi aufnehmen und Oppositionsführer werden.

Dominik Straub[Rom]

RomEs sind keine freundlichen Worte, die der 61-jährige Beppe Grillo für die Partei übrig hat, deren Chef er werden möchte: Der PD, die größte Oppositionspartei Italiens, sei „eine politische Lebensversicherung für den Psychozwerg Berlusconi, eine Krücke für alle Interessenkonflikte, ein politisches Monster, das links begonnen hat und im Vatikan geendet ist“. Beim Parteikongress im Oktober, bei dem ein neuer Vorsitzender bestimmt wird, müsse eine Lücke geschlossen werden: "Die Lücke einer nicht existierenden Opposition, die keine Ideen hat und zur Lobby geworden ist.“

Der linksgrüne Beppe Grillo ist der beliebteste Komiker das Landes – und ein Stachel im Fleisch der italienischen „Partitocrazia“. Mit seinen Auftritten füllt das bärtige Energiebündel Stadien. Sein Internetblog, in dem er vornehmlich gegen korrupte Politiker, dubiose Unternehmen und Umweltskandale zu Felde zieht, verzeichnet täglich über 150 000 Zugriffe. 2007 hatte der „Michael Moore aus Genua“ den bereits legendären „Vaffa-Day“ organisiert, zu dem hunderttausende Italienerinnen und Italiener strömten. „Vaffa“ ist die Abkürzung von „vaffanculo“. Das bedeutet „Leck mich am Arsch“ und war an die Politiker gerichtet.

Die Ankündigung der Kandidatur hat im PD Abwehrreflexe ausgelöst. „Die Partei ist kein Bus, auf den man aufspringen und ein paar Runden drehen kann“, erklärte Pierluigi Bersani. Der ehemalige Industrieminister von Romano Prodi will sich im Oktober ebenfalls um den Posten des Parteichefs bewerben, genauso wie Amtsinhaber Dario Franceschini und der PD-Senator und Chirurg Ignazio Marino.

Die Führungsriege des PD hat gute Gründe, warum sie den Volkstribun Grillo, dieses Sprachrohr der Politikverdrossenen, nicht am Rennen um den Parteivorsitz teilnehmen lassen will. Dennoch bringt die Kandidatur Grillos die Parteigranden in Verlegenheit. Denn wenn der Komiker dem PD vorwirft, dass er sich nicht um wichtige Themen wie Umweltschutz, Atomenergie, Korruption und Interessenkonflikte kümmere, dann ist dies schwer zu widerlegen: Seit den Wahlen hat die Partei nie zu einer klaren Linie gefunden. Sie beschäftigt sich nicht mit Berlusconis immer dreister werdenden Angriffen auf die demokratischen Institutionen Italiens, sondern lieber mit sich selber.

Gleichzeitig entlarvt Grillo die vom PD bei der Parteibasis durchgeführten „Vorwahlen“ als das, was sie immer waren: eine Farce. Sowohl bei der Wahl Romano Prodis zum Spitzenkandidaten im Jahr 2006 als auch bei der Wahl des ersten PD-Sekretärs Walter Veltroni 2008 hatten die Parteioligarchen dafür gesorgt, dass außer dem designierten Sieger nur chancenlose Gegenkandidaten an den Vorwahlen teilnahmen. Auch vor dem Parteikongress vom Oktober wird hinter den Kulissen bereits wieder heftig intrigiert. Ein Beppe Grillo könnte die Rechenspiele böse durcheinanderwirbeln.

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