Politik : Italien fürchtet den Terror

Paul Kreiner

Rom - Ein italienisches Handy, den britischen Ermittlern durch eine Reihe von Gesprächen aufgefallen am Tag der Attentate, führte die Polizei an den östlichen Rand von Rom. In die Wohnung eines bisher offenbar unbescholtenen Somaliers, der ein Internet-Café betreibt, hatte sich kurz zuvor dessen Bruder geflüchtet. Osman Hussein, aus London angereist – und laut britischen Ermittlern einer der Attentäter vom 21. Juli. Ohne Widerstand, so Innenminister Giuseppe Pisanu, habe dieser sich festnehmen lassen. Es folgten Hausdurchsuchungen in ganz Rom; auffällig viel Polizei war auf den Straßen.

Etwas besseres als die Festnahme hatte Pisanu an diesem Tag nicht passieren können. Nur Stunden zuvor hatte er die wachsende Unruhe in der Bevölkerung erstmals offiziell für berechtigt erklärt. Hatten Italiens Regierungspolitiker ihr Volk bisher beruhigt, es gebe keine konkreten Anzeichen für einen Terroranschlag, so setzte Pisanu jetzt einen ganz anderen Akzent. Zwar, sagte er, fehlten immer noch „präzise und unwiderlegbare“ Vorzeichen, aber „tendenziell übereinstimmende Umständen und Anzeichen bringen uns dazu, ein Attentat in unserem Land für möglich zu halten“.

Aus Dringlichkeit haben die Abgeordneten des Senats am Freitag, ohne Meinungsverschiedenheiten zwischen Koalition und Opposition, das Sicherheitsdekret der Regierung verabschiedet. Es sieht stärkere Personenkontrollen vor, beschleunigte Abschiebung Verdächtiger sowie Belohnungen für Ausländer, die Hinweise auf mögliche Terroristen in ihren Reihen geben. Strenger kontrollieren will man – die Verhaftung vom Freitag scheint Pisanu darin zu bestätigen – die Internet-Cafés. Stärker überwacht sollen die Muslime werden, von denen die meisten in Norditalien leben. Gerade in der Gegend von Mailand, sagen Pisanu und der Militärgeheimdienst Sismi, gebe es „Schulen für Kamikaze-Täter“. Sismi-Chef Niccolò Pollari fügt hinzu, Selbstmordattentäter seien „bereit, in Aktion zu treten“.

Angst hatten Meldungen in Rom ausgelöst, nach denen das Trinkwasser der Stadt vergiftet worden sei. Die Nachricht verbreitete sich in Windeseile; die überraschte Stadtverwaltung dementierte im Laufe des Tages und versichert seither, ein Zugang zu den Aquädukten, mit denen das Trinkwasser wie seit der Antike herangeschafft wird, sei für Terroristen „praktisch unmöglich“. Wie nach dem 11. September 2001 werden die bedeutendsten Städte, Kulturschätze, Gebäude und Telekommunikationseinrichtungen intensiv überwacht. 16000 Polizisten sowie 4000 Soldaten sind zum Schutz von 13000 solcher „Objekte“ abkommandiert. Vor allem aber um den Palast des Regierungschefs und um das Parlament herum wurde die Polizeipräsenz auch optisch deutlich ausgeweitet.

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