Italien : Großdemo in Rom gegen Berlusconi

Mit einer der größten Demonstrationen der vergangenen Jahre zeigte die Opposition in Rom, was sie von ihrem Präsidenten halten: Gar nichts. Die Mehrheit steht aber noch immer hinter Silvio Berlusconi.

Circus Maximus
Circus Maximus: Hunderttausende Italiener protestieren in Rom gegen Berlusconi. -Foto: AFP

RomHunderttausende haben am Samstag in Rom gegen die Politik der konservativen Regierung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi demonstriert. Zu der Großkundgebung hatte die größte Oppositionspartei im Parlament, die von Walter Veltroni geführte Demokratische Partei (PD), aufgerufen. Sie wirft der Regierung unter anderem eine unsoziale Familien- und Einwanderungspolitik sowie eine verfehlte Finanzpolitik vor. Die Organisatoren schätzten die Zahl der Teilnehmer auf zweieinhalb Millionen, die Polizei sprach von 200.000.

"Das ist eine Demonstration gegen die Regierung, die die Probleme des Landes nicht löst", sagte Veltroni. Die Beteiligung an der "demokratischen und friedlichen Kundgebung" sei weit stärker als erwartet, es sei eine der größten der vergangenen Jahre. Seit Wochen demonstrieren in Italien außerdem Schüler und Studenten gegen eine Schul- und Universitätsreform mit Milliarden-Einsparungen.

Opposition fordert Legalität, Solidarität und Verantwortung

"Die Demokratie ist kein Verwaltungsrat", rief der Oppositionsführer an die Adresse des Medienzars und Milliardärs Berlusconi. Veltroni setzte sich für Reformen und für Steuersenkungen ein. Die Opposition müsse Berlusconi eine Politik der Legalität, Solidarität und Verantwortung entgegensetzen.

Ein halbes Jahr nach dem überragenden Sieg des konservativen Lagers bei den Parlamentswahlen will die italienische Opposition wieder Tritt fassen. Behindert auch durch Streit im eigenen Lager, sucht sie nach Einheit und einem wirksamen Hebel gegen die Politik der rechten Regierung, die zahlreiche Maßnahmen per Dekret im Eilverfahren durchbringt. Nach Umfragen befürwortet eine eindeutige Mehrheit der Italiener Berlusconis Politik. (mpr/dpa)

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