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Jakob Augstein in der Kritik : „Augstein schuldet dem jüdischen Volk eine Entschuldigung“

05.01.2013 15:17 Uhrvon und
Augstein und Broder streiten – und in Los Angeles freut derjenige, der den Streit angezettelt hat. Foto: dpa/dapdBild vergrößern
Augstein und Broder streiten – und in Los Angeles freut derjenige, der den Streit angezettelt hat. - Foto: dpa/dapd

Zwei Männer in Deutschland streiten – und in Los Angeles freut sich ein dritter. Das Wiesenthal-Zentrum bleibt bei seinem Antisemitismus-Vorwurf gegen Jakob Augstein. Experten halten diesen für überzogen.

„Wir begrüßen es, dass jetzt so viel über unsere Entscheidung diskutiert wird“, sagt Rabbiner Abraham Cooper vom Simon-Wiesenthal-Zentrum. Die US-Menschenrechtsorganisation hat den Publizisten Jakob Augstein auf Platz neun einer Liste der zehn übelsten Antisemiten weltweit gesetzt und damit eine heftige Debatte ausgelöst. Die zwei streitenden Männer, das sind Augstein, der die Vorwürfe als diffamierend zurückweist, und Autor Henryk M. Broder, auf dessen Aussage, Augstein sei ein „lupenreiner Antisemit“, sich das Wiesenthal-Zentrum unter anderem beruft.

Doch die Diskussion allein reicht Cooper noch nicht aus. „Augstein schuldet seinen Lesern und dem jüdischen Volk eine Entschuldigung“, fordert er im Interview mit dem Tagesspiegel. Er habe Israels orthodoxe Juden „beleidigt“, indem er die Gemeinschaft mit islamistischen Extremisten verglichen und damit Antisemitismus befördert habe. „Sicher darf Israel kritisiert werden. Wer dies tut, ist per se kein Antisemit.“ Doch Menschenrechtler Natan Sharansky habe für das Wiesenthal-Zentrum Kriterien erarbeitet, an denen festgemacht werde, wann Kritik in Antisemitismus umschlage. „Entscheidend dafür sind drei ,Ds’: Wenn Doppelmoral, Dämonisierung und Delegitimation genutzt werden, wird eine Grenze, eine rote Linie überschritten.“ Genau das habe Augstein in seinen Artikeln getan. „Er bringt mit seinen Aussagen keine neue Perspektive in die Debatte, sondern Feindseligkeit“, begründet Cooper die Entscheidung, den Deutschen in eine Reihe mit den Muslimbrüdern, den schwarzen Hassprediger Farrakhan oder Irans Präsident zu setzen.

Michael Wolffsohn allerdings hält derartige „schwarze Listen“ grundsätzlich für „unanständig und gefährlich“ – auch, weil dadurch die Maßstäbe verrutschten. „Augstein überschreitet zwar mit seiner Haltung gegenüber Israels Politik oft genug die Grenzen des guten Geschmacks. Doch in eine Reihe mit griechischen Hardcore-Nazis oder judenhassenden Islamisten gehört er keinesfalls“, betont der Münchener Historiker.

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