Jamaika-Sondierungen : Auch Angela Merkel ist gescheitert

Nach dem Scheitern von Jamaika sucht Deutschland nach Stabilität. Das Ende der Gespräche könnte auch das Ende der Kanzlerin sein. Ein Kommentar.

Die CDU-Vorsitzende und Bundeskanzlerin, Angela Merkel, äußert sich am 20.11.2017 zum Scheitern der Jamaika-Sondierungen.
Die CDU-Vorsitzende und Bundeskanzlerin, Angela Merkel, äußert sich am 20.11.2017 zum Scheitern der Jamaika-Sondierungen.Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

Das eine Ende ist da, das andere rückt nah. Die Reise nach Jamaika - vorbei, gestrandet am Riff der Eigensinnigkeit der FDP. Und das andere Ende? Ist das der Angela Merkel als Bundeskanzlerin. Sie ist nur noch geschäftsführend im Amt. Auch sie ist gescheitert  - mit ihrem Politikstil.

Um im Bild zu bleiben: Als Kapitänin war sie zu lange unter Deck. Einen Kurs hat sie nicht vorgegeben. Und da haben Zweite Offiziere das Schiff übernommen. Wohin das führt? In ein Desaster. Aber nicht bloß für eine Partei oder eine Kanzlerin. Ein ganzes Land, ein vermeintliches Musterland, nimmt Schaden. Das Schiff Deutschland krängt. Es kämpft um Stabilität.

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Dass es die Freidemokraten es sein würden, die Jamaika unmöglich machen würden, hätte vorher, vor den Sondierungen, keiner wirklich erwartet. Jetzt aber haben sie sich selbst unmöglich gemacht. Die Verhandlungsführung war, nach allem, was jetzt bekannt wird, entweder seltsam, weil nur angstgetrieben, oder satanisch, weil besonders machtbezogen.

Die FDP habe versucht, die CSU rechts zu überholen

Das ist die eine Seite: Die Wunden der FDP, die der Rauswurf aus dem Bundestag 2013 geschlagen hatte, sind bloß oberflächlich verheilt. Die Narben schmerzen noch. Wer an Sie rührt, daran erinnert, der weckt die Angst vor Fehlern wie unter Guido Westerwelle.

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FDP lässt Jamaika platzen
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Die andere: Es kann sein, dass die FDP schon vorgebaut hat, um bei etwaigen Neuwahlen auch am rechten Rand zu punkten. Dass sie versucht habe, die CSU rechts zu überholen, hieß es aus den Runden - wenn es nicht die Position war, war es doch die nationalliberale Rhetorik, die diesen Eindruck zuließ. Einen, der bleiben wird. Ob er besser ist als der unter Westerwelle? Die FDP wird auch kämpfen müssen - dagegen.

Die CDU wirkt wie erstarrt

Welch ein Bild! Deutschland auf der Suche nach Stabilität. An den Grünen lag es wohl mal eher nicht, sie haben sich bewegt, immer weiter weg von ihren Ursprungspositionen. Ihren Wahlergebnis angemessen, haben sie nicht den Eindruck vermittelt, dominieren zu wollen. Da fallen dann die anderen umso mehr auf, die sich so fatal überhoben: die CSU mit ihrem Eigensinn, ihrer erratischen Haltung. Die CDU, die vor alledem wie erstarrt wirkt, ein Schatten ihrer selbst, obwohl sie doch die meisten Stimmen der vier Parteien auf sich vereinigt hat, und nicht mehr in der Lage, inhaltlich zu führen. Sie fand den Ausweg nicht, sie, die Partei.

Und sie, die Kanzlerin? Ist fast am Ende des Wegs angelangt. Der Weg jetzt führt Angela Merkel erst einmal zu Frank-Walter Steinmeier, dem Bundespräsidenten, um mit ihm zu beraten - noch nicht zur eigenen Demission.

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