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Jemen : USA vernichten Waffen, auch Deutsche Botschaft evakuiert

Vor vier Monaten eroberten die schiitischen Houthi-Rebellen die Hauptstadt Sanaa - jetzt haben sie das Parlament aufgelöst. Nach den USA und Großbritannien schließt nun auch Deutschland die Botschaft vor Ort.

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Die vom Iran unterstützten Houthi-Rebellen haben eine Revolution ausgerufen, um nach eigenen Angaben das Land von der Korruption zu säubern und die Wirtschaft in Gang zu bringen.
Die vom Iran unterstützten Houthi-Rebellen haben eine Revolution ausgerufen, um nach eigenen Angaben das Land von der Korruption...Foto: Mohammed Huwais/AFP

Vier Monate nach der Eroberung der Hauptstadt Sanaa durch schiitische Houthi-Rebellen droht dem Jemen ein verheerender Bürgerkrieg. Sämtliche staatlichen Institutionen sind zusammengebrochen, die Zentralregierung existiert nicht mehr. Mehrere westliche Staaten, darunter die USA, Großbritannien und Frankreich, riefen am Mittwoch alle Diplomaten zurück und schlossen ihre Botschaften, nachdem sie in den Tagen zuvor größere Mengen an Unterlagen vernichtet hatten. Sämtliche Landsleute wurden aufgefordert, ebenfalls schnellstmöglich auszureisen.

Das Auswärtige Amt fordert Deutsche zur Ausreise auf

Auch Deutsche sollten ausreisen, erklärte das Auswärtige Amt in Berlin. Am Freitag nun wurde beschlossen, auch die Deutsche Botschaft zu schließen. Die Maßnahme gelte vorübergehend, teilte das Auswärtige Amt mit. Die Lage in dem Land sei ausgesprochen instabil. Alle Deutschen wurden aufgerufen, den Jemen zu verlassen. Vor Reisen dorthin warnt das Außenamt dringend.

Mitte Januar war eine gepanzerte US-Limousine an einer Houthi-Straßensperre unter Feuer genommen worden, die beiden Diplomaten konnten trotz 87 abgegebener Schüsse unverletzt entkommen. Am Abend trat in New York der Weltsicherheitsrat der Vereinten Nationen zusammen, deren Sondergesandter Jamal Benomar sich bisher vergeblich bemüht, die Krise durch Verhandlungen zu entschärfen.

Ausgelöst wurde die dramatische Eskalation am vergangenen Freitag durch die Entscheidung der Invasoren, mit dem Parlament die letzte noch funktionierende nationale Einrichtung aufzulösen. Zuvor hatten die Rebellen Präsident Abed Rabbo Mansour Hadi und seinen Premierminister Khalid Bahah abgesetzt und unter Hausarrest gestellt sowie zahlreiche Ministerien in ihre Gewalt gebracht. Ihre Einheiten besetzten das Gelände des Präsidentenpalastes, übernahmen das Kommando über die Elitetruppen und deren Anti-Terror-Trainingsgelände vor den Toren der Hauptstadt. "Die Lage verschlechtert sich rapide, seit die Houthis die Macht übernommen und dieses Vakuum geschaffen haben", warnte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und forderte die Führung der Schiiten auf, Hadi wieder einzusetzen.

USA vernichten Waffen vor Evakuierung

Nach Schätzungen von US-Experten fielen den neuen Herren, die vom Iran unterstützt werden, beträchtliche Mengen an Waffen, Fahrzeugen und Munition amerikanischer Produktion in die Hände. Laut einer Aufstellung des Kongresses lieferte Washington seit 2006 Militärgerät im Werte von 400 Millionen Dollar an das strategisch wichtige Land an der Südspitze der Arabischen Halbinsel. Jemen kontrolliert mit dem Golf von Aden eine der wichtigsten Wasserstraßen der Welt.

Vor ihrer Flucht aus der Hauptstadt Sanaa vernichteten US-Militärs Waffen, die in der US-Botschaft lagerten. Das Pentagon informierte am Mittwoch, dass auch andere Waffen insbesondere der US-Marine vernichtet wurden. Die USA wollen so verhindern, dass noch mehr Waffen in die Hände der Rebellen gelangen. Die Houthi stehen den USA offen feindlich gegenüber. Ein Sprecher der US-Marine, der in arabischen Medien und von der Nachrichtenagentur Reuters zitiert wird gab an, dass einige US-Waffen der jemenitischen Regierung übergeben wurden.

Sunnitische Kämpfer rüsten sich zu einem Feldzug gegen die Houthis

Nach den Vorstellungen der Houthis, die im Norden des Jemen ihre Siedlungsgebiete haben und rund 40 Prozent der Bevölkerung ausmachen, soll ein 551-köpfiger Provisorischer Rat das aufgelöste Parlament ersetzen sowie ein fünfköpfiger Präsidialrat die Regierungsgeschäfte führen. Diese Pläne jedoch werden von wichtigen Teilen der entthronten sunnitischen Machtelite boykottiert. Mehrere Provinzgouverneure weigern sich, Befehle aus Sanaa auszuführen. Sie ließen die Rohölförderung stoppen, die zu 90 Prozent den Staatshaushalt finanziert. Sunnitische Stammeskämpfer rüsten sich derweil zu einem Feldzug gegen die Houthis, bei dem sie auch von Al Qaida unterstützt werden könnten.

Drohnenangriffe dürften für die USA schwerer werden

"Al Qaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP)" gilt als die gefährlichste Filiale des globalen Terrornetzwerks, deren Mitgliederzahl auf 500 bis 1000 geschätzt wird. Eine Fraktion der sunnitischen Extremisten allerdings schloss sich Anfang der Woche dem "Islamischen Staat" an und schwor dem selbst ernannten Kalifen Ibrahim, alias Abu Bakr al Baghdadi, Gefolgschaft. Die Drohneneinsätze gegen Al Qaida im Jemen werden nach Einschätzung von US-Fachleuten in Zukunft schwieriger, weil langjährige Informanten in Verteidigungsministerium, Geheimdienst oder Anti-Terror-Brigaden durch den Houthi-Umsturz in alle Winde zerstreut worden sind. Dennoch wurde letzte Woche mit Harith al Nadhari ein hochrangiger Terrorkommandeur durch eine Rakete getötet, der nach dem Anschlag auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo" Frankreich weitere Terrorattacken angedroht hatte.

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