Joachim Gauck : Wie wird man Bundespräsident?

Am 18. März soll er gewählt werden – doch schon jetzt brechen für Joachim Gauck spannende Zeiten an. Und auch im Schloss Bellevue ändert sich mit dem neuen Präsidenten einiges.

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19.02.2012: Joachim Gauck wird erneut zum Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten. Anders als vor zwei Jahren, als der ehemalige DDR-Bürgerrechtler und evangelischer Pastor in der Bundesversammlung Christian Wulff unterlag, kann er am 18. März mit der Unterstützung von Regierung und Opposition rechnen. Foto: dpaWeitere Bilder anzeigen
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20.02.2012 21:1619.02.2012: Joachim Gauck wird erneut zum Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten. Anders als vor zwei Jahren, als der...

Bundespräsidenten, das weiß man spätestens seit dem berühmten Gespräch von Christian Wulff mit der Mailbox des Chefredakteurs Kai Dieckmann im vergangenen Dezember, sollten vorsichtig sein mit Handy-Telefonaten. Für werdende Bundespräsidenten gilt das noch nicht in diesem Maße. Oder einfacher gesagt: Das Telefon von Joachim Gauck steht sehr wahrscheinlich seit Montagmorgen kaum noch still. Der Mann wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit am 18. März 2012 zum 11. Bundespräsidenten der Republik gewählt werden. Und weil es bis zu seinem Einzug ins Berliner Schloss Bellevue nur noch 26 Tage sind, hat Gauck eine Menge zu erledigen.

Wie bereitet sich Gauck auf das Amt vor?

Als Joachim Gauck 2010 von Rot-Grün zum Kandidaten ernannt wurde, bildeten die Parteizentralen ein Team, das Gauck beraten und seit Termine verwaltet hat. Ein solches Team wird er auch bis zum 18. März an seiner Seite haben. Man darf schließlich nicht vergessen: Gauck ist bis dahin Privatmann ohne eigenes Sekretariat. Er benötigt also Unterstützung. Noch am Sonntagabend im Kanzleramt hatten sich die Parteivorsitzenden darauf verständigt, Gauck gemeinsam unter die Arme zu greifen. Wie diese Hilfe aussehen soll, darüber herrscht allerdings noch Unklarheit. Während im schwarz-gelben Lager noch darüber nachgedacht wird, Geldbeträge zusammenzulegen und ein parteiunabhängiges Unterstützerteam zu engagieren, hat Rot-Grün schon mit der Hilfe begonnen. Der ehemalige Gauck-Mitarbeiter Andreas Schulze hat bereits am Dienstag seine Arbeit für den Präsidenten-Kandidaten aufgenommen. Schulze kennt Gauck aus der Stasi-Unterlagenbehörde, er gehörte zum Gauck-Team 2010 und im letzten Sommer war er Presseverantwortlicher von Renate Künast (Grüne) im Berliner Landtagswahlkampf. Angestellt ist Schulze hauptamtlich im Ministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz bei Ministerin Ilse Aigner. Das Ministerium hat ihn bis zum 18. März freigestellt, im „Fünf-Parteien-Team für Joachim Gauck“ ist Schulze sozusagen ein Schwarz-Grüner. Auch die SPD hat bereits einen Mitarbeiter entsandt.

Neuer Anstrich. Mit Gauck ändert sich einiges im Schloss. Foto: Kai-Uwe Heinrich Foto: Kai-Uwe Heinrich tsp
Neuer Anstrich. Mit Gauck ändert sich einiges im Schloss. Foto: Kai-Uwe HeinrichFoto: Kai-Uwe Heinrich tsp

Wird Gauck einen Wahlkampf führen?

Wahlkampf im herkömmlichen Sinn um das Präsidentenamt ist in Deutschland nicht vorgesehen. Schließlich gibt es keine Direktwahl. Ob Gauck sich vor dem Wahltag den Fraktionen im Bundestag noch einmal vorstellen und um deren Stimmen werben wird, ist noch nicht klar. Nicht ausgeschlossen ist jedoch, dass Gauck die eine oder andere öffentliche Veranstaltung dazu nutzen wird, sich dem breiten Publikum wieder ins Gedächtnis zurück zu rufen. Dass er - wie es bis Sonntagabend geplant war – seine Lesereise für den Kösel-Verlag in Süddeutschland ab Ende dieser Woche fortgesetzt wird, ist eher unwahrscheinlich.

Dennoch heißt es in seiner Umgebung, er werde ein paar wenige öffentliche Auftritte wahrnehmen. Den ersten schon am Donnerstag, wo er in Berlin an der Gedenkveranstaltung für die Opfer der Neonazi-Gewalttäter in Berlin teilnehmen wird.

Wer wird Gauck ins Amt begleiten?

Es ist noch zu früh, diese Frage zu beantworten. Klar ist, dass der Bundespräsident zwar ein funktionierendes Amt mit Mitarbeitern vorfinden wird, die ihm so treu dienen werden wie seinen Vorgängern. In Schlüsselpositionen muss er allerdings Vertraute berufen. Dazu zählen natürlich der Amtsleiter, sein Sprecher und jemand, der ihn dabei unterstützten wird, seine Reden zu schreiben. Gauck wird aller Voraussicht nach nicht nur der bei Amtsantritt älteste Bundespräsident sein, sondern auch der erste Parteilose in diesem Amt. Einen Stab an seiner Seite hat er also nicht – aber er wird ihn brauchen.

Wird Joachim Gauck seine Lebensgefährtin Daniela Schadt heiraten?

Natürlich ist das in erster Linie die private Angelegenheit von Gauck und Schadt. Allerdings wurde es wenige Stunden nach der Nominierung des Präsidentschaftskandidaten bereits zum politischen Thema gemacht. Gauck lebt seit vielen Jahren mit der Nürnberger Journalistin Daniela Schadt zusammen. Doch offiziell ist er noch mit der Mutter seiner Kinder verheiratet. Die „wilde Ehe“ mit seiner Lebensgefährtin Schadt sorgt auch in den Union für Irritationen: „Es dürfte wohl im Interesse des Herrn Gauck selbst sein, seine persönlichen Verhältnisse so schnell als möglich zu ordnen, damit insoweit keine Angriffsfläche geboten wird“, sagte der CSU-Familienpolitiker Norbert Geis. Worauf die FDP sofort das Recht des Bundespräsidenten in spe auf einen eigenen liberalen Lebensentwurf verteidigte. Die Kritik von Geis sei „stillos“, sagte Außenminister Guido Westerwelle. Ähnliche Kritik an den Heiratswünschen gab es von den Grünen. Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) wollte sich zwar den Forderungen von Norbert Geis nicht anschließen. Eine Heirat solle man nicht zur „Staatsaffäre“ machen, sagte er. Dass Gauck und Schadt baldmöglichst heiraten sollten, das findet er aber eigentlich auch. „Er erleichtert es uns und sich“, sagte Thierse, ohne allerdings einen Zwang auf das Paar ausüben zu wollen. Gerade bei Staatsbesuchen im Ausland sei es jedoch besser, wenn der Präsident mit seiner Gattin als First Lady auftreten würde.

Gauck selbst hatte vor der Wahl des Staatsoberhaupts 2010 angedeutet, im Fall seines Siegs wolle er heiraten. „Schnelle Heirat ist ausgeschlossen, spätere nicht unbedingt“, sagte er damals laut Medienberichten. Und hat es dann – als er doch nicht Präsident wurde – gelassen.

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