Politik : Job für Sex?

Skandal erschüttert Polens Bauernpartei

Thomas Roser

Warschau - Der Weg zum begehrten Job im Abgeordnetenbüro der polnischen Bauernprotestpartei Samoobrona führte nach Angaben der früheren Parlamentarierassistentin Aneta K. durch das Bett. Das Angebot „Arbeit für Sex“ habe ihr der heutige Vizepremier Andrzej Lepper im Jahr 2001 in seinem Zimmer im Parlamentshotel unterbreitet, berichtete die heute 33-Jährige zu Wochenbeginn der Tageszeitung „Gazeta Wyborzca“. Nach der mit dem Bauernführer verbrachten Nacht habe sie zwei Tage später einen Job im Büro des Abgeordneten Stanislaw Lyzwinski erhalten. Sexuelle Gefügsamkeit gegenüber dem Parlamentarier sei auch der Preis für ihren Aufstieg zu dessen Büroleiterin gewesen, berichtet die Frau, der als Samoobrona-Kandidatin 2002 gar die Wahl ins Regionalparlament von Lodz gelang: „Wenn ich mich verweigern wollte, wurde mir gedroht, dass es für meinen Arbeitsplatz Hunderte andere Mädchen gebe.“

Nach dem schockierenden Bericht der Frau gerät die Position von Vizepremier Lepper zunehmend ins Wanken. Der nationalkonservative Regierungschef Jaroslaw Kaczynski hat umgehend Konsequenzen angekündigt, wenn der Verdacht der sexuellen Nötigung gegen Lepper nicht entkräftet werden könne. Falls die Staatsanwaltschaft der Ansicht sei, dass es eine Grundlage für die Eröffnung eines Verfahren gegen Lepper gebe, sei für ihn „die Sache klar“, sagte er und schloss am Dienstag den neuerlichen Kabinettsrauswurf seines Stellvertreters nicht mehr aus: „In einer solchen Situation sehe ich keinerlei Möglichkeit der Zusammenarbeit.“

Die Vorwürfe, dass Lyzwinski regelmäßig Mitarbeiterinnen zum Sex genötigt habe, haben inzwischen mehrere Frauen, aber auch männliche Parteimitglieder in Polens Medien bestätigt. „Ich bin nicht die Matratze von Lyzwinski“, sagte auch Lepper und mag auch selbst die Hand für seinen Parteifreund nicht mehr ins Feuer legen. Doch energisch weist er weiterhin die Missbrauchsvorwürfe gegen ihn selbst zurück. Er kenne Aneta K. zwar, aber er habe „in sexueller Hinsicht mit dieser Dame nie etwas gemein“ gehabt. Gegen den Autor des Artikels werde er wegen des „Anschlags“ auf seine Familie einen Zivilprozess anstrengen: „Mit dieser unglaublichen Angelegenheit muss sich die Staatsanwaltschaft beschäftigen.“ Lyzwinski schwieg sich auch am Dienstag weiter aus. Bizarr mutete hingegen die Reaktion seiner Ehefrau Wanda an, die wie ihr Gatte im Parlament sitzt. „Das bedeutet, die Jungs sind gut – denn sie können es noch“, kommentierte sie die Vorwürfe gegen ihren Mann und ihren Parteichef.

Noch sind die schweren Vorwürfe gegen Lepper nicht geklärt. Doch die neuerlichen Turbulenzen kommen der nationalpopulistischen Koalition von Premier Jaroslaw Kaczynski äußert ungelegen. Schon seit Tagen schlagen die Verbindungen der Regierungspartei LPR ins Neonazi-Milieu in Polens Medien heftige Wellen. Und nun gerät durch den Sexskandal auch noch die zweite der drei Regierungsparteien zum wiederholten Male ins Zwielicht.

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