Politik : Jugoslawien: EU will Druck auf Belgrad erhöhen

Nach UN-Chefanklägerin Carla del Ponte will nun auch die EU den Druck auf Jugoslawien zu einer Auslieferung von Ex-Präsident Slobodan Milosevic erhöhen. Die EU erwarte die "volle Zusammenarbeit" Belgrads mit dem UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag, sagte ein schwedischer Beamter am Dienstag in Stockholm. Schweden hat derzeit die EU-Ratspräsidentschaft inne. Eine EU-Delegation will am 7. Februar nach Belgrad reisen. Die EU werde Jugoslawien den Raum für eine Definition der Zusammenarbeit lassen, hieß es aus der Umgebung der schwedischen Regierung. Falls Belgrad das Prinzip akzeptiere, dass Milosevic vor dem Haager Gericht abgeurteilt werde, sei dies für den Augenblick genug. Der Zeitpunkt der Auslieferung müsse danach bestimmt werden. Der stellvertretende jugoslawische Ministerpräsident Miroljub Labus sagte, die Zukunft Jugoslawiens hänge davon ab, ob Milosevic vor das Kriegsverbrechertribunal gestellt werde oder nicht. Die "Flitterwochen" zwischen dem Westen und dem "neuen Belgrad" seien nun vorüber, warnte er. "Falls wir die Bürde Milosevic nicht loswerden, können wir keine normale wirtschaftliche Entwicklung des Landes herstellen", sagte Labus.

Einen Tag nach dem gewaltsamen Tod eines 15-Jährigen im Kosovo kam es dort am Dienstag zu schweren Zusammenstößen mit Soldaten der NATO-Truppe gekommen. In der geteilten Stadt Kosovska Mitrovica hinderten die Soldaten am Dienstag aufgebrachte Kosovo-Albaner daran, eine Brücke zum serbischen Wohnviertel zu stürmen. Dabei gingen nach Angaben von UN-Sprecher Michael Keats mindestens zwei Militärfahrzeuge in Flammen auf. Die Soldaten setzten Tränengas und Blendgranaten ein. Auslöser der neuen Unruhen war ein Handgranatenanschlag auf ein Wohnhaus von Kosovo-Albanern, bei dem am Montag ein Jugendlicher getötet und zwei Personen verletzt wurden.

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