Politik : Jugoslawien: Putin beklagt Machtvakuum

Die Spannungen im mazedonischen Grenzgebiet zum Kosovo sind nach den Worten des russischen Präsidenten Wladimir Putin eine Folge des erzwungenen jugoslawischen Truppenrückzugs aus dem Kosovo. Auf einer Kabinettssitzung sagte Putin am Montag in Moskau, es sei jetzt das eingetreten, wovor Russland gewarnt habe. "Nach dem Abzug der jugoslawischen Armee ist es ungeachtet der internationalen Friedenstruppe zu einem Machtvakuum gekommen, das rasch von Extremisten ausgefüllt worden ist", erklärte der Präsident im Fernsehen. Die jugoslawischen Streitkräfte mussten sich nach den Nato-Luftangriffen Mitte 1999 aus der serbischen Provinz zurückziehen. Das Kosovo steht seither unter Verwaltung der Vereinten Nationen.

In dem Grenzgebiet kam es auch am Montag wieder zu Gefechten zwischen albanischen Extremisten und Soldaten gekommen. Die Regierung in Skopje kündigte angesichts der Eskalation der Gewalt einen mit der Nato abgestimmten Plan zur Bekämpfung der Extremisten an. Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) äußerte sich in einer Erklärung sehr besorgt über die Entwicklung und verurteilte die Gewalt. Die Lage hatte sich am Sonntag zugespitzt, nachdem albanische Extremisten bei Kämpfen drei Soldaten getötet hatten. Die mazedonische Regierung beantragte eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrates. Außenminister Srdjan Kerim sagte, dabei solle auch die Einrichtung einer Pufferzone jenseits der Grenze im Kosovo gefordert werden. Der Minister hatte am späten Sonntagabend eine nächtliche "Aktion zur Bewältigung der Krise" in Abstimmung mit den Nato-Soldaten der internationalen Kosovo-Friedenstruppe (Kfor) angekündigt, nannte aber keine Einzelheiten.

Der russische Außenminister Igor Iwanow unterstützte der Nachrichtenagentur Interfax zufolge die Forderung der mazedonischen Regierung nach einer Dringlichkeitssitzung des Weltsicherheitsrates. Wie der Kreml mitteilte, bat der mazedonische Präsident Boris Trajkowski Putin am Sonntag telefonisch um internationale Hilfe zur Beendigung der Gewalt.

Auch die griechische Regierung äußerte sich besorgt über die Lage im Nachbarland Mazedonien. Außenamtssprecher Panagiotis Beglitis kritisierte, dass der UN-Auftrag zur Entwaffnung der albanischen Separatisten im Kosovo nur unzureichend umgesetzt worden sei. Die Entwaffnung der Rebellen sei noch nicht so erfolgt, wie es hätte sein müssen, sagte Biglitis. Dadurch sei eine explosive Lage in der Region geschaffen worden. Der Sprecher kündigte griechische Hilfe für die Regierung in Mazedonien an. Es sei jedoch noch nicht entschieden, wie diese Hilfe aussehen werde.

Die ehemalige Kosovo-Befreiungsarmee (UCK) wurde zwar von der internationalen Friedenstruppe (Kfor) entwaffnet und aufgelöst, es bildeten sich aber neue militante Gruppen. Diese griffen seit November vorigen Jahres wiederholt jugoslawische Polizisten in der südserbischen Pufferzone zwischen dem Kosovo und dem übrigen Teil Serbiens an und drangen auch über die Grenze nach Mazedonien vor, wo eine starke albanische Minderheit lebt.

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