Jugoslawien-Tribunal : Kriegsverbrecher sollen bald nach Den Haag

Serbien-Montenegro hat die volle Kooperation mit dem Kriegsverbrechertribunal der Vereinten Nationen zugesagt. Man sei "optimistisch" über eine "baldige" Überstellung von Radovan Karadzic und Ratko Mladic, hieß es.

Berlin - "Es ist im Interesse der Serben, dass diese Last von ihrem Gewissen und von dem Land genommen wird", sagte der Belgrader Außenminister Vuk Draskovic am Donnerstag nach Gesprächen mit Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) in Berlin. Er sei optimistisch, dass dies "bald" sein werde. Ex-Serbenführer Karadzic und Ex-Armeechef Mladic sind seit zehn Jahren auf der Flucht.

Die Frist sei schon lange verstrichen, dass "diese vor dem Recht Flüchtigen" in Den Haag erschienen. "Da gibt es nichts zu verheimlichen und zu rechtfertigen", betonte Draskovic. Am Mittwoch war einer der mutmaßlichen Fluchthelfer Mladics in Serbien festgenommen worden. Mladic war Armeeführer der bosnischen Serben und ist wegen zahlreicher Verbrechen im Bosnien-Krieg (1992-1995) angeklagt und seit zehn Jahren auf der Flucht. Er wird unter anderem für das Massaker in Srebrenica verantwortlich gemacht.

Die Chefanklägerin des Kriegsverbrechertribunals, Carla del Ponte, hatte sich bei ihrem Besuch in Belgrad Anfang der Woche über mangelnde Kooperationsbereitschaft beklagt und sich für ein Einfrieren der Verhandlungen mit Serbien-Montenegro über das EU-Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen (SAA) ausgesprochen. Del Ponte verwies bei einem Treffen mit Steinmeier am Mittwoch darauf, dass im Falle Kroatiens der Hinweis auf eine Verschiebung der EU-Beitrittsgespräche die Festnahme des kroatischen Generals Ante Gotovina begünstigt habe.

Steinmeier betonte am Donnerstag, die serbische Regierung kenne den Zusammenhang zwischen dem Fortschritt der SAA-Verhandlungen und der Bereitschaft zur Kooperation mit internationalen Behörden, zu denen auch das Den Haager Tribunal gehöre. Draskovic habe ausgeführt, dass diese Bereitschaft bestehe und auch unter Beweis gestellt werden solle. In Den Haag muss sich seit vier Jahren der jugoslawische Ex-Präsident Slobodan Milosevic wegen Kriegsverbrechen verantworten. Bis 2008 sollen nach UN-Willen alle Urteile in erster Instanz gefällt sein. (tso/dpa)

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