Julia Schramm über den Bundesparteitag der Piraten : "Klar ist das zäh"

Julia Schramm, zurückgetretene Beisitzerin im Bundesvorstand, nahm als "Basispiratin" am Parteitag in Bochum teil. Trotz all der Querelen ist sie mit den Beschlüssen zufrieden, räumt aber auch ein, dass es mit den inhaltlichen Debatten hakt. Eine Lösung gäbe es aber, meint sie.

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Julia Schramm, Piraten.
Julia Schramm, Piraten.Foto: dpa

Frau Schramm, wie fanden Sie den Auftritt ihrer Partei bisher?

Parteitage sind immer schön, weil wir viel reden, diskutieren und auch einiges beschließen. Es ist gut, dass wir jetzt ein wirtschaftspolitisches Grundsatzprogramm haben, dass wir außenpolitische Positionen bestimmt haben und hoffentlich demnächst zur Bankenregulierung noch etwas hin.

Aber meist wurden nur einzelne Teile der Anträge angenommen und dann auch meistens die, die am wenigstens wehtun. Ansonsten führen sie vor allem Geschäftsordnungsschlachten...

Eine Zweidrittelmehrheit ist eben eine echte Herausforderung. Klar ist das zäh. Wir Piraten lernen eben durch Schmerz. In Zukunft müssen wir konstruktive Formen finden, die inhaltlichen Debatten zu führen. Deshalb bin ich auch für die ständige Mitgliederversammlung, da kann man vor allem das inhaltliche Kleinvieh abstimmen, um auf Parteitagen das Wesentliche zu beraten. Ich hoffe, dass wir das hinbekommen, sonst verzetteln wir uns. Bei diesem Parteitag hatten wir eine sehr gute Tagesordnung, was daraus gemacht wurde, ist nicht mein Job. Aber wir haben gute Beschlüsse.

Also, alles wird gut bei den Piraten?

Naja, was heißt alles wieder gut. Alles, was es so an Skandalen gibt, hatten wir in den letzten Wochen: Sex-, Drogen-, Glaubwürdigkeits-, Nazi- und Aufstellungsskandale. Das war alles schon da, fehlt nur noch Mord- und Totschlag - aber davon gehe ich nicht aus.

Piraten-Parteitag in Bochum
So sieht Pressearbeit bei den Piraten aus: Der Presselotse entspannt sich im Bällebad der Kinderbetreuung.Weitere Bilder anzeigen
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25.11.2012 17:24So sieht Pressearbeit bei den Piraten aus: Der Presselotse entspannt sich im Bällebad der Kinderbetreuung.

Sie selbst haben aber ihren Rücktritt aus dem Bundesvorstand erklärt. Bedauern Sie das jetzt?

Überhaupt nicht. Mir geht es damit viel besser. Trotzdem ist es schade, dass ich aufgeben musste, denn ich habe meinen Job hinter den Kulissen gut gemacht und fast nur positives Feedback dafür erhalten. In dieser Partei schwankt man immer zwischen Bundesvorstand und Austritt. Nur ist das wie bei einer Ehe: So schnell kommt man da nicht raus. Aber irgendwann geht die physische und psychische Verfassung vor.

Spielten die Streitereien im Bundesvorstand eine Rolle für Sie?

Nein. Es geht ausschließlich um persönliche Gründe, die ich hier aber nicht näher erläutern will. Aber mein Rücktritt hat weder etwas mit dem Vorstand zu tun. Im Gegenteil: Ich habe so viel Rückendeckung erhalten, das war toll. Und mit meinem Buch hat es auch nichts zu tun.

Aber gerade wegen ihres Buches und ihrem Umgang damit gab es viel Kritik - auch von Piraten. Selbst Bernd Schlömer beklagt den Shitstorm, der über sie gefegt
Vor allem die Bild-Zeitung hat drei Tage lang falsche Sachen über mich behauptet. Das traurige war nur, dass einige Piraten einfach geglaubt haben, was in der Bild stand. Ich bin eine moderate Vertreterin in der Urheberrechtsdebatte, das war ich schon immer.

Wollen Sie noch einmal für den Bundesvorstand kandidieren?
Auf keinen Fall. Ich bleibe Basispiratin. Und ich konzentriere mich auf das Schreiben und auf meine Dissertation.

Julia Schramm ist Mitglied der Piratenpartei. Sie ist vor einigen Wochen von ihrem Amt als Beisitzerin im Bundesvorstand zurückgetreten, hat aber an der Planung und Durchführung des Bundesparteitags noch teilgenommen.

Was sonst noch so los war auf dem Parteitag? Lesen Sie unseren Live-Ticker!

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