Politik : "Junge Freiheit": Schaf im Wolfspelz

Stefan Reinecke

Christoph Zöpel, Staatsminister im Auswärtigen Amt, hat der rechtsextremen Wochenzeitung "Jungen Freiheit" ein Interview gegeben. Das ist, so wie es heute aussieht, ziemlich gut für die Zeitung, die immerhin im Verfassungsschutzbericht in NRW erwähnt wird - und schlecht für Minister Zöpel, der offenbart nicht recht im Bilde war, dass manche dieses Interview für eine Politikum halten könnten: für eine Art regierungsamtliches Gütesiegel, dass die "JF" in den Kreis seriöser, ernst zu nehmender Blätter gehört.

Aber diese kleine Affäre zeigt noch mehr: nämlich wie schwer es noch immer fällt, souverän mit Rechtsextremen umzugehen. Am Inhalt des Gesprächs lässt sich kaum etwas bemängeln: Die üblichen dummdeutschen Provokationen des Interviewers weist Zöpel höflich, aber entschieden zurück. So schmilzt die Kritik auf den Umstand zusammen, dass das Interview überhaupt geführt wurde. Aber macht das allein, wie Andreas Nachama meint, den Kampf der Bundesregierung gegen Rechts zu "bedeutungslosen Lippenbekenntnissen"?

Eher nicht. Denn auch die Argumentation, dass man dem Blatt keine Interviews geben darf, bietet der "Jungen Freiheit" viel Raum für Selbstinszenierungen. Verbote nützen Organen wie der "JF" mehr als sie ihnen schaden: Was ausgegrenzt wird, muss doch wichtig sein. Damit stützen sie ihren Status als Opfer und Rebellen. Und genau diese Rolle, die Inszenierung als Unterdrückte, verhalf rechtsextremen Populisten wie Haider und Le Pen zu ihren Erfolgen.

Das Problem der "Jungen Freiheit" besteht nicht darin, dass Verfassungsschützer in NRW ein Mal in der Woche schlimme Texte aus dem Blatt ausschneiden und in eine Akte kleben. Die Zeitung hat in den letzten zehn Jahren keines der Ziele erreicht, das sie anstrebte (ihr größter Erfolg: Es gibt sie noch). Sie wollte eine rechte "taz" werden - aber weder gehen JF-Redakteure regelmäßig zu großen, einflussreichen Blättern, noch hat sie nennenswerten Einfluss auf konservative think tanks gewonnen. Die Auflage stagniert, die rebellische Pose der rechten Redaktions-Jungmänner wirkt mittlerweile noch bemühter als früher.

Ein Rezept des Blattes war es stets, damit zu kokettieren, dass sie etwas Verbotenes tun. Das war immer schon gemogelt. Denn das verlorene rechte Paradies, dem die "JF" nachtrauert, ist die Welt vor 1968, letztlich die muffigen 50er Jahre. Wer will dahin schon zurück? Der unbedachte Christoph Zöpel sicher nicht.

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