Kaczynski-Unglück : Stimmen im Cockpit

Polnische und russische Experten ermitteln gemeinsam die Ursachen des Absturzes der Maschine des polnischen Präsidenten Lech Kaczynski, der am 10. April bei Smolensk gemeinsam mit 95 Mitinsassen ums Leben gekommen war.

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Moskau - Dicht gedrängt warteten Vertreter russischer und ausländischer Medien, was Tatjana Anodina, die Chefin des zwischenstaatlichen Komitees für zivile Luftfahrt zu ersten Ergebnissen bei der Untersuchung des Katastrophe bei Smolensk zu sagen hatte. Dort war am 10. April die Maschine des polnischen Präsidenten Lech Kaczynski abgestürzt. Keiner der 96 Insassen überlebte. Kaczynski, dessen Ehefrau sowie hochrangige Politiker und Beamte wollten an der Gedenkfeier zum 70. Jahrestag des Massakers von Katyn teilnehmen.

Polnische und russische Experten ermitteln gemeinsam die Ursachen des Absturzes. Im Cockpit der TU-154 befanden sich zum Zeitpunkt des Unglücks mindestens zwei Personen, die dort nichts zu suchen hatten. Eine davon sei bereits identifiziert, sagte Anodina. Konkrete Namen nannte sie aber nicht und berief sich dabei auf internationale Abkommen, die solche Angaben bis zum Abschluss der Untersuchungen untersagen.

Russische Medien berichteten dennoch, es habe sich um den polnischen Luftwaffenchef, General Andrzej Blazik, gehandelt. Er habe zunächst mit dem Tower in Smolensk gesprochen und sei nur Bruchteile vor der Katastrophe zu hören gewesen. Seine Anwesenheit in der Pilotenkabine wird damit erklärt, dass die Präsidentenmaschine von Besatzungen der Luftwaffe geflogen wird. Deren Dienstordnung lässt, anders als bei der zivilen Luftfahrt, die Präsenz von Vorgesetzten in der Kanzel zu.

Spekulationen, wonach die Besatzung unter Druck gesetzt wurde, trotz schlechter Sicht zu landen, bekommen damit neue Nahrung. Umso mehr, da die zweite fremde Stimme im Cockpit zunächst Kaczynskis Protokollchef zugeschrieben wurde, was Warschau wie Anodina allerdings dementieren. Für diese Version spricht auch, dass die Besatzung nicht auf einen anderen Flughafen auswich. Obwohl – das ist inzwischen geklärt – genug Treibstoff im Tank war.

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