Politik : Kämpfe konzentrieren sich auf den Süden Tschetscheniens

Tschetschenische Rebellen haben sich am Montag im Süden der Kaukasusrepublik mit russischen Truppen heftige Kämpfe um wichtige Nachschublinien geliefert. Kampfflugzeuge warfen nach einem Bericht der russischen Nachrichtenagentur Interfax Aerosol-Bomben auf Stellungen der Rebellen. Die Bomben setzen ein brennbares Gas frei und lösen starke Explosionen aus. In Grosny würden derartige Bomben jedoch nicht eingesetzt. In Grosny dauerten die Kämpfe zwischen Bodentruppen und Rebellen unterdessen an, auch die Luftangriffe wurden fortgesetzt.

In Grosny halten sich nach Schätzungen bis zu 40 000 Zivilisten und zwischen 1500 bis 5000 Moslem-Rebellen auf. Die russische Armee hatte am Samstag ihre vermutlich entscheidende Offensive gegen Grosny eingeleitet. Pro-russische Milizen drangen nach Angaben des ehemaligen Bürgermeisters der Stadt, Bislan Gantamirow, bereits bis ins Stadtzentrum vor. Der russische Fernsehsender ORT berichtete, die Truppen hätten den Minutka-Platz erreicht. Dort hatte es bereits während des ersten Tschetschenien-Krieges 1994/96 heftige Kämpfe gegeben.

Im gebirgigen Süden Tschetscheniens kämpften Rebellen und russische Truppen unterdessen um die Kontrolle der Ortschaften Wedeno und Charatschoi an der Hauptstraße nach Georgien, erklärte der Sprecher des Moskauer Verteidigungsministeriums, Schuk. Nach der Einkreisung der Rebellen in Grosny konzentriere sich das Militär nun auf die Offensive im Süden. Grosny werde für einen Sturmangriff zu gut verteidigt.

Den Tschetschenen geht die Munition aus

Die russischen Truppen hatten in den vergangenen Tagen die Kontrolle über mehrere wichtige Routen im Süden übernommen. Kämpfer der Rebellen in Grosny erklärten, es mangele ihnen deswegen an Munition. Interfax zufolge wurden in den vergangenen 24 Stunden zahlreiche Dörfer im Süden von Luftangriffen getroffen. Die Nachrichtenagentur Itar-Tass berichtete, stark verminte Straßen behinderten das Vorrücken der Truppen. Die Rebellen nutzten unterirdische Wege und Tunnel. Der Kommandeur einer prorussischen Einheit tschetschenischer Kämpfer, Malik Saidullajew, erklärte, in Grosny hätten sich 5000 Rebellen verschanzt. Sie hätten geschworen, die Stadt nicht lebend zu verlassen.

Nach den Worten des Moskauer Ministerpräsidenten Wladimir Putin verläuft Russlands Militäroffensive in Tschetschenien planmäßig. Er habe Präsident Boris Jelzin über die Lage in Tschetschenien unterrichtet, sagte Putin am Montag im russischen Fernsehen. Der Präsident habe sich zufrieden gezeigt.

Iwanow: Gute Beziehungen zum Westen

Bereits während des ersten Tschetschenien-Krieges von 1994 bis 1996 hatte es in Grosny heftige Gefechte gegeben, bei denen viele russische Soldaten getötet wurden. Der gegenwärtige Krieg dauert bereits drei Monate. Das russische Militär hatte eine Erstürmung Grosnys ausgeschlossen. Die Stadt soll offenbar nach tagelangem Bombardement ohne großen Widerstand eingenommen werden. Der russische Militärsprecher, Major Alexander Djordijew, sagte, das langsame Vorrücken auf Grosny solle unnötige Verluste unter russischen Soldaten wie auch in der Zivilbevölkerung vermeiden.

Der russische Außenminister Igor Iwanow rechnet nicht damit, dass der Tschetschenien-Krieg die Beziehungen seines Landes zum Westen gefährden könne. Die Militäroperation war im Westen auf heftige Kritik gestoßen. Iwanow sagte, die Beziehungen blieben auf einem "hohen Niveau". Es habe immer Kontakte auf politischer Ebene gegeben, die nie unterbrochen worden seien. Nach einer Meldung der Nachrichtenagentur Itar-Tass bekräftigte Iwanow, dass Russland auch im Fall von internationalen Sanktionen sein Vorgehen in Tschetschenien nicht ändern würde.

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