Politik : Kämpfe zwischen Militär und Koranschülern in Pakistan

Islamabad - In Islamabad sind am Dienstag bei Gefechten zwischen Studenten einer islamischen Religionsschule (Madrassa) und Sicherheitskräften mehrere Menschen gestorben. Angaben über die Opferzahlen gingen auseinander, möglicherweise wurden in der pakistanischen Hauptstadt bis zu acht Studenten, drei Sicherheitskräfte und ein Zivilist getötet.

Zuerst hatten Religionsschüler einen nahe der „Roten Moschee“ im Stadtzenturm errichteten Polizeiposten gestürmt und offenbar versucht, vier Beamte zu entführen. Polizei und paramilitärische Einheiten setzten Tränengas ein, dann fielen Schüsse. Über den Lautsprecher der Moschee forderte ein Mann Selbstmordattentäter auf, sich in Stellung zu bringen. Studenten trugen Gasmasken und waren mit Brandbomben sowie Sturmgewehren bewaffnet. Sie bewarfen das Umweltministerium mit Steinen und setzten es in Brand.

Stunden später schickte die Regierung einen Abgeordneten in die Lal-Masjid- Moschee, um über ein Ende der Gefechte zu verhandeln. Vizeinnenminister Zafar Warriach sagte, man stehe in Kontakt mit den Führern der Moschee. Einer der beiden Leiter, Abdul Rashid Ghazi, beschuldigte die Behörden, für die Unruhen verantwortlich zu sein, da Sicherheitskräfte in der Nähe Barrikaden errichtet hätten.

Die Moschee steht seit Monaten im Konflikt mit den Behörden. Es geht um ein umstrittenes Grundstück sowie die Versuche der Studenten, in Islamabad radikalislamisches Recht einzuführen. Die Studenten verschleppten Polizisten und mutmaßliche Prostituierte. Sie drohten mit Selbstmordanschlägen, sollte die Polizei eingreifen. Vor allem die Studentinnen der Moschee fielen auf, die, tiefschwarz verschleiert und mit Stöcken bewaffnet, nicht vor Auseinandersetzungen mit Sicherheitskräften zurückschreckten.

Unklar ist, weshalb die Regierung von Pervez Musharraf die für sie unangenehme Situation in der Hauptstadt so lange nicht unter Kontrolle bringen konnte. Die offiziellen islamischen Parteien hatten den gegen die Regierung gewandten Kurs der beiden Führer der Moschee bisher nicht unterstützt. Der Tod von Koranstudenten könnte nun aber zu größeren Unruhen führen. Tsp

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