Politik : Kam Terror-Warnung aus demIrak?

Vereitelter Anschlag auf Allawi: Bei Verhör gefundenes Notizbuch führte zu Verdächtigen in Deutschland

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Die deutschen Sicherheitsbehörden haben offenbar aus den Kurdengebieten des Irak einen wichtigen Hinweis auf die drei Männer erhalten, die in Deutschland ein Attentat auf den irakischen Ministerpräsidenten Ijad Allawi geplant haben sollen. Nach Informationen des Tagesspiegels hat der kurdische Geheimdienst im März 2004 im Nordirak einen Kurden festgenommen, in dessen Notizbuch sich die Namen und Telefonnummern der Iraker Ata R. aus Stuttgart, Rafik M. aus Berlin und Mazen H. aus Augsburg befinden sollen. Gegen die Iraker erließ, wie berichtet, der Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof am Sonnabend Haftbefehl. Generalbundesanwalt Kay Nehm wirft den Männern im Zusammenhang mit den Anschlagplänen gegen Allawi die Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung vor. Sie sollen der irakischen Terrorgruppe Ansar al Islam angehören, die zahlreiche Anschläge im Irak verübt hat.

Der in den Kurdengebieten des Nordirak festgenommene Kurde Jassin F. soll sechs Jahre als Asylbewerber in München gelebt haben. Der kurdische Geheimdienst hält ihn für einen wichtigen Kurier der Ansar al Islam. In einem Notizbuch des „Deutschen", wie die kurdischen Behörden F. nennen, stehen Dutzende Telefonnummern von in Deutschland lebenden Kurden. Vor mehreren Monaten sollen deutsche Beamte mit dem Kurden im Gefängnis von Suleimanija gesprochen haben. Dabei bekamen die Beamten Einsicht in das Telefonbuch. Außerdem sollen sie mit den kurdischen Behörden Fotos und Informationen über Islamisten ausgetauscht haben.

Bisher hat der Gefangene wenig zu der Telefonliste ausgesagt. Seit er in Deutschland lebte, soll er mindestens zwanzigmal in den Irak gefahren sein. Der 27 Jahre alte Mann hatte bei der Festnahme 40 000 Dollar und Kassetten mit Hetzreden des in Norwegen lebenden Anführers der Ansar al Islam, Mullah Krekar, dabei.

Deutsche Polizisten haben Krekar offenbar kürzlich in Oslo vernommen. Die Beamten hätten sich für allgemeine Informationen über Ansar al Islam interessiert, sagte Krekars Anwalt dem norwegischen Radiosender NRK. Ob sich Krekar auch zu dem mutmaßlich geplanten Anschlag auf Allawi geäußert hat, ist unklar.

Unterdessen wurde der am Sonnabend in Berlin vorläufig festgenommene Libanese Mohamed F. wieder auf freien Fuß gesetzt. Es bestehe kein dringender Tatverdacht mehr, sagte am Sonntag ein Sprecher der Bundesanwaltschaft. Das Verfahren wegen des Verdachts der Unterstützung einer ausländischen terroristischen Vereinigung sei aber bislang nicht eingestellt worden.

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