Politik : Kampf gegen Terror: Jedes Gepäckstück wird am Flughafen durchleuchtet

Rolf Obertreis

Die Bundesregierung will nach der Androhung weiterer Attentate mit entführten Flugzeugen durch die extremistische Al-Qaida-Gruppe Sicherheitsvorkehrungen weiter verschärfen. Nötig sei ein gestaffeltes System von der Gepäckkontrolle bis zu Sicherheitsbeamten in den Flugzeugen, sagte Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) am Mittwoch in Berlin. Den Abschuss entführter Passagiermaschinen, wie er in den USA möglich ist, lehnte Schily ab. Die EU plant unterdessen, die Sicherheitsmaßnahmen für nationale und internationale Flüg in der EU zu verschärfen und zu vereinheitlichen.

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Umfrage: Befürchten Sie eine Eskalation der Gewalt? Seit Montag müssen nun auch die Passagiere, die mit britischen Maschinen auf die Grüne Insel fliegen oder andere Ziele ansteuern, zumindest in Frankfurt mit langen Wartezeiten rechnen. "Auch diese Fluggäste sollten zwei Stunden vor Abflug am Flughafen sein", sagt Lufthansa-Sprecher Thomas Jachnow. Damit reagieren die Sicherheitsbehörden und der Frankfurter Flughafen darauf, dass die Angriffe auf Ziele in Afghanistan auch von der britischen Luftwaffe geflogen werden.

Passagiere würden in Frankfurt seit dem 11. September genau kontrolliert, heißt es. Jedes Handgepäckstück wird durchleuchtet, Gegenstände wie Nagelfeilen, Nagelscheren, kleinste Messer oder andere spitze Gegenstände, die einem Angriff dienen könnten, werden einbehalten. Passagiere, die mit US- oder britischen Airlines fliegen, werden direkt am Flugsteig noch einmal überprüft. Jedes einzelne aufgegebene Gepäckstück wird ebenfalls mit einem Röntgengerät durchleuchtet. Dabei, sagen die Verantwortlichen von BGS und Flughafen, werde modernste Technologie eingesetzt. "Unserer Mitarbeiter blicken auf farbige Bildschirme, die nicht nur anorganische sondern auch organische Stoffe sichtbar machen", sagt BGS-Sprecher Klaus Ludwig.

Georg Fongern, Sprecher der Pilotenvereinigung Cockpit, glaubt, dass am Boden alles Machbare getan werde, um mögliche Terroristen am Besteigen eines Flugzeuges zu hindern. "Aber wir wissen auch, dass es hundertprozentigen Schutz nicht geben kann. Dieser Illusion dürfen wir uns seit dem 11. September nicht mehr hingeben."

Auch die betriebstechnischen Bereiche können in Frankfurt nur noch nach intensiven Kontrollen betreten werden. "Ohne Überprüfung kommt keine Putzkolonne ins Flugzeug", sagt Lufthansa-Sprecher Jachnow. Zudem müssen sich alle Mitarbeiter und auch die Beschäftigten von Auftragsfirmen einer verfassungsrechtlichen Überprüfung unterziehen.

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