Politik : Kampf um Bilder

Organisatoren erwarten friedliche Demonstration

B. Junge[P. Lichterbeck]

Berlin - Der Zorn, der aus seinen Worten spricht, ist Benjamin Laumeyer nicht anzumerken. Der 25-Jährige sitzt lässig auf dem Podium im Grünen Salon der Berliner Volksbühne. Vor ihm haben Fernsehsender ihre Mikrofone aufgebaut. Er soll über die Proteste gegen den G-8-Gipfel in Heiligendamm sprechen. Sie beginnen mit einer Großdemonstration am 2. Juni in Rostock, zu der ein breites Bündnis aufgerufen hat. Die Vertreter von vier Organisationen wollen in der Volksbühne Rede und Antwort stehen. Laumeyer vertritt die extremste unter ihnen, die „Interventionistische Linke“. Er selbst bezeichnet sich als „linksradikal“. „Wir erwarten nichts von den G 8“, sagt er. „Das Treffen ist eine PR-Show des globalen Kapitalismus. Es hat keine Legitimation.“

Laumeyer glaubt dennoch nicht, dass es bei der Demonstration zu Gewalt komme. Er kündigt aber an, dass seine Gruppe die Zufahrtswege zum Konferenzort blockieren werde. Neben Laumeyer sitzt Werner Rätz. Der 55-Jährige ist Attac-Aktivist und Organisator der Demonstration. „Ich habe keine Hinweise auf gewalttätige Gruppen“, sagt er. „Die Polizei übrigens auch nicht.“ Rätz fürchtet dennoch, dass die Bilder weniger Gewalttäter die politischen Argumente der G-8-Gegner verdrängen könnten.

Alexis Passadakis spricht für die Gruppe „Gerechtigkeit Jetzt“: „Wir wollen der aggressiven Wirtschaftsagenda der G 8 soziale Rechte entgegensetzen.“ Ihm gegenüber: Martina Wasserlos- Strunk, Mitglied des „Reformierten Bund“. Sie repräsentiert den christlichen Protest: „Es besteht durch alle Konfessionen Einigkeit, dass der Neoliberalismus ein ungerechtes System ist“, sagt sie.

Wie viele Menschen insgesamt zu der Demonstration kommen werden, kann Rätz nicht einschätzen. Aber er legt die Messlatte bei 100 000 an. Man erwarte unter anderem Züge aus der Schweiz und Österreich, eine Busflotte aus Griechenland und ein Schiff aus Finnland. Deswegen kritisiert Rätz die Wiedereinführung von Grenzkontrollen durch die Bundesregierung. „Wer internationale Regierungschefs einlädt, muss auch mit internationalem Protest rechnen.“

Alle distanzieren sich von der Anti-G-8-Demonstration der NPD in Schwerin. Und sie kritisieren das Demonstrationsverbot, das um Heiligendamm gelten soll. Eine Ansammlung von drei Personen werde schon als Verstoß gewertet. Das Schweriner Verwaltungsgericht muss noch über das Verbot entscheiden.

In Sachen Kampf um die Bilder warnt auch der Sozialforscher Dieter Rucht im Wissenschaftszentrum Berlin davor, die Wahrnehmung der Gipfelproteste auf mögliche militante Proteste zu beschränken. „Die Fixierung auf die Gewalt“ bewirke, „dass die Protestbewegung gar nicht wahrgenommen wird“. Dabei habe, attestiert ihm der ehemalige Attac-Sprecher Felix Kolb, „ein Paradigmenwechsel weg von der Gewalt stattgefunden“. Gemeinsam warnen sie davor, Blockaden mit Gewalt zu assoziieren und verweisen auf einschlägige Gerichtsurteile, die Sitzblockaden nicht einmal als Nötigung auslegen.B. Junge, P. Lichterbeck

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