Politik : Kaplan klagt über Misshandlung

Abgeschobener Islamist soll von deutscher Polizei geschlagen worden sein

Thomas Seibert

Istanbul - Der in die Türkei abgeschobene Islamistenführer Metin Kaplan hat den deutschen Behörden vorgeworfen, ihn misshandelt zu haben. Bei der Abschiebung im Oktober hätten die deutschen Polizisten seinen Mandanten behandelt „wie einen Terroristen“, sagte Kaplans türkischer Anwalt Hüsnü Tuna dem Tagesspiegel. Die deutschen Polizisten hätten Kaplan geschlagen, wörtlich sprach der Anwalt von „kleinen Schlägen“, die seinem Mandanten versetzt worden seien. Zuvor habe es bei der Festnahme Kaplans Sachschaden gegeben. Seine Anwälte in Deutschland wollten nun prüfen, ob deshalb ein Verfahren gegen die deutschen Behörden angestrengt werden sollte. In der Türkei sei Kaplan dagegen zu keinem Zeitpunkt misshandelt worden, sagte Anwalt Tuna weiter. Türkische Polizisten hätten den „Kalifen von Köln“ allerdings beschimpft.

Seit einem ersten Gerichtstermin in der Türkei Mitte Oktober wartet Kaplan derzeit in einem Hochsicherheitsgefängnis in Tekirdag westlich von Istanbul auf seinen Prozess. Das Verfahren wird voraussichtlich am 20. Dezember beginnen. Die türkische Justiz wirft Kaplan vor, er habe 1998 einen Terroranschlag auf die türkische Staatsspitze geplant. Bei einer Verurteilung droht ihm lebenslange Haft. Kaplan war von den deutschen Behörden am 12. Oktober in einer Blitzaktion in ein Flugzeug nach Istanbul gesetzt worden, nachdem das Kölner Verwaltungsgericht entschied, dass der Islamist trotz eines laufenden Revisionsverfahrens vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig abgeschoben werden könne.

Vor diesem Hintergrund hält der 51-jährige Kaplan seine Abschiebung aus Deutschland nach Angaben seines Anwalts für illegal. Allerdings verspricht er sich von dem Verfahren in Leipzig nicht viel. Kaplan habe „kein Vertrauen in die deutsche Justiz“. Der Anwalt zitierte Kaplan mit den Worten, er sehe in rechtsstaatlicher Hinsicht keine großen Unterschiede zwischen Deutschland und der Türkei: Die Menschenrechte würden in beiden Ländern verletzt.

Tuna besucht seinen Mandanten im Schnitt einmal pro Woche, um mit ihm die Strategie für die Verteidigung festzulegen. Probleme habe Kaplan im Gefängnis nicht, sagte Tuna. Der „Kalif von Köln“ sei allein in einer Drei-Mann-Zelle untergebracht. Kaplan soll angeblich krank sein und nimmt regelmäßig Arznei. Das Gefängnis in Tekirdag gehört zu einer neuen Generation von Hochsicherheitsgefängnissen in der Türkei. Tuna sagte, Kaplan erhalte in Tekirdag hin und wieder Besuch von einem Onkel, der in der Türkei lebt. Kaplans Frau wohnt mit den gemeinsamen Kindern nach wie vor in Deutschland.

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