Politik : Kaspisches Meer: Scharfe Schüsse im Streit um das Schwarze Gold

Elke Windisch

Die Anrainer des Kaspischen Meers lassen die Muskeln spielen: Fast zeitgleich erklärten Iran und Aserbaidschan, ihre Ansprüche auf zwei Ölfelder "mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln" durchsetzen zu wollen.

Iranische Kriegsmarine hatte nach aserbaidschanischen Angaben Ende Juli Ölbohrschiffe der ehemaligen Sowjetrepublik angegriffen. Baku erschließt zurzeit gemeinsam mit einer britischen Firma die strittigen Lagerstätten. Grund der Attacke: Zehn Jahre nach dem Zerfall der Sowjetunion haben sich die fünf Anrainerstaaten noch immer nicht über eine völkerrechtlich verbindliche Aufteilung des Gewässers und der darunter liegenden Ölvorkommen einigen können, die vermutlich die weltweit größten Reserven darstellen. Russland, Kasachstan und Aserbaidschan verlangen die Teilung des Binnenmeers entlang einer gedachten Mittellinie, die im gleichen Abstand zu den Küsten verläuft. Nach diesem Schema bekämen sie jeweils 19, 29 und 21 Prozent der Fläche, Iran dagegen nur 14 und Turkmenistan 17 Prozent. Diese beiden Staaten bestehen daher auf einer Einteilung in gleichgroße Sektoren mit je 20 Prozent der Fläche. Für Experten ist es nur eine Frage der Zeit, bis der Konflikt offen ausbricht. Er könnte zu einem Krieg mit vielen Beteiligten eskalieren.

Aserbaidschan ist eng mit der ethnisch verwandten Türkei liiert. Auch die USA, die Iran nach wie vor als Schurkenstaat betrachten, setzen sich für Bakus Position ein. Dagegen kann Teheran auf die Unterstützung Turkmenistans zählen: Zwei weitere strittige Lagerstätten - Tschirak und das Kiyapas-Feld - würden Turkmenistan zufallen, würde das Binnenmeer nach dem Sektorenprinzip geteilt. Bei einer Grenzziehung entlang der Mittellinie bekäme indessen Aserbaidschan die Hälfte der Vorkommen. Russland drängt auf schnelle Einberufung eines Gipfeltreffens, das bereits wiederholt verschoben wurde. Die anderen Anrainer rüsten aber im Eiltempo auf.

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