Katastrophengebiet : Pakistan braucht zwölf Milliarden Euro

Das Geld reicht hinten und vorne nicht: Die Bundesregierung hat zu Spenden für Pakistan aufgerufen. Islamabads Armee gilt inzwischen als guter Krisenhelfer.

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22. August: Immer noch haben die Menschen mit den Wassermassen zu kämpfen.
22. August: Immer noch haben die Menschen mit den Wassermassen zu kämpfen.Foto: AFP

Berlin - Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning (FDP), hat die pakistanische Regierung gegen den Vorwurf des Versagens im Zusammenhang mit der Fluthilfe in Schutz genommen. „Die pakistanische Verwaltung ist auf dem richtigen Weg“, sagte Löning nach seiner Rückkehr aus Pakistan dem Tagesspiegel. Zwar habe die Regierung anfangs das Ausmaß der Katastrophe unterschätzt, inzwischen hätten sich die staatlichen Stellen aber organisiert und Programme für Flutopfer aufgelegt. „Die Armee funktioniert als Krisenhelfer sehr gut“, sagte er.

Wie auch Außenminister Guido Westerwelle (FDP) rief Löning erneut zu Spenden auf. Die von der Bundesregierung zur Verfügung gestellten Mittel in Höhe von 40 Millionen Euro würden „sicher nicht reichen“, meinte er. Die pakistanische Regierung beziffert die Aufbaukosten nach einem Bericht der BBC auf zwölf Milliarden Euro. Die Katastrophe betrifft ein Fünftel des Staatsgebietes. Rund 20 Millionen Menschen sind direkt oder indirekt von den Wassermassen betroffen, die von Norden nach Süden strömen.

Löning sagte, wer bei bewährten Hilfsorganisationen für Flutopfer spende, könne „sicher sein, dass sein Geld direkt bei den Menschen ankommt, die es am bittersten nötig haben“. Sorgen vor einem Versickern der Beiträge in dunklen Kanälen seien unbegründet. Nach Lönings Meinung soll der Wunsch, das Land gegen radikale Kräfte zu stärken, beim Spenden keine Rolle spielen. „Wir sollten nicht in irgendwelche gedanklichen Wettbewerbe mit den Taliban eintreten“, sagte Löning. „Die Menschen hier in Pakistan mögen die Extremisten genauso wenig wie wir.“

Außenminister Westerwelle rechnet damit, dass sich die Lage in Pakistan noch weiter zuspitzt. „Die eigentlichen Probleme für die Menschen stehen noch bevor“, sagte er. Die Notleidenden hätten Hilfe verdient. „Deutschland sollte zeigen, dass es in solchen Stunden der Not ein wirklich offenes Herz hat.“ Die anfänglich sehr zögerliche Spendenbereitschaft der Deutschen war wegen der umfassenden Berichterstattung und auch aufgrund von dramatischen Spendenappellen in den vergangenen Tagen deutlich gestiegen. Westerwelle traf am Sonntag im Auswärtigen Amt Vertreter deutscher Nichtregierungsorganisationen, die in Pakistan tätig sind. Den Opfern der Flut in Pakistan müsse dringend geholfen werden, betonte der Minister. Die Überflutung habe ein unvorstellbares, geradezu biblisches Ausmaß. Westerwelle wies auch auf Probleme mit der Trinkwasserversorgung hin.

Die Nato hat inzwischen eine Versorgungs-Luftbrücke für die Flutopfer in Pakistan eingerichtet. Eine erste Frachtmaschine startete in Geilenkirchen in Nordrhein-Westfalen. Das Flugzeug bringt vor allem Pumpen, Zelte und Stromgeneratoren in die Katastrophengebiete.

Unterdessen ist die Not in den pakistanischen Katastrophengebieten so groß, dass hungernde Überlebende unter dem Aufgebot aller Kräfte um Lebensmittel kämpfen. So kamen bei einer privaten Lebensmittelverteilung in einem Warenhaus in Korangi zwei Frauen bei einem Massengedränge ums Leben, als sich Hungernde um Mehlsäcke rissen. Nach einem Bericht der Pakistanischen Zeitung „The Dawn“ hatten hunderte Frauen schon am frühen Morgen verzweifelt angestanden.

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