Politik : Kein Anschluss

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Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Wenn zwei Koalitionspartner einen Vertrag aushandeln, dann ist das wohl nach jeder Wahl eine dramatische Zeit. Nicht nur für die Spitzenpolitiker, die Tag und Nacht von einem zum anderen Kungelgespräch hetzen. Auch – und vielleicht vor allem – für die Pressesprecher der Politiker und uns Journalisten. Denn wir wollen ja Informationen für unsere Leser ergattern. Möglichst solche, die die Leser interessieren. Also oft genau die, die uns die Sprecher nicht geben wollen.

Was da abläuft in Berlin, muss man sich so vorstellen: Morgens um zehn jagt ein Gerücht über den Flur. Etwa, dass sich die Verhandlungspartner darauf geeinigt haben, das Kindergeld abzuschaffen. Dann wird wild herumtelefoniert. Stimmt das? Nein? Haben das die Grünen gefordert oder die Sozis? Wer ist dafür? Könnte es sein, dass die Forderung vielleicht nur eine verhandlungstaktische Aktion ist? Nach zwei Stunden hat man dann alle Telefonnummern durchtelefoniert – und weiß oft hinterher nichts Genaueres als vorher. Also noch mal von vorn.

Wichtigstes Kommunikationsmittel: das Handy. Und zwar das der Pressesprecher. Denn die sind ja ständig unterwegs mit den Politikern. Von einer Verhandlungsrunde zur nächsten. Natürlich wissen die, wenn man sie anruft, in aller Regel auch nichts. Sagen sie zumindest. Manchmal wissen sie aber auch was. Oder geben Infos heraus, um ein taktisches Ziel mit deren Veröffentlichung zu erreichen. Nun hat am Donnerstag einer der Pressesprecher beim Joggen sein Handy im Park verloren. In Zeiten des politischen Alltagsgeschäftes würde er sich darüber bestimmt ärgern. Jetzt trauern vor allem wir. Denn wer sagt uns nun, dass er nichts Genaues nicht weiß. Antje Sirleschtov

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