Politik : Kein Bild, kein Ton, kein Geld

Grundig hat Insolvenz beantragt – von einem Symbol des deutschen Wirtschaftswunders bleibt vielleicht nicht einmal der Name

Maurice Shahd

Telefunken, Nordmende, Dual – die Namen klingen noch im Ohr, aber sie haben auf dem Markt für Unterhaltungselektronik keine Bedeutung mehr. Mit der Insolvenz von Grundig droht jetzt auch einer der letzten deutschen Hersteller von Fernsehern, Radios und CD-Playern zu verschwinden.

Überraschend kam die Pleite nicht. Schon seit fast 20 Jahren wird versucht, das Unternehmen fit zu machen. In der vergangenen Woche sprang auch der letzte Kaufinteressent ab, die Insolvenz wurde unausweichlich. Die Geschichte von Grundig ist auch die Geschichte einer der großen deutschen Unternehmerpersönlichkeiten der Nachkriegszeit: Max Grundig. Seine Firma startete er 1945 in einer Elektrowerkstatt in Fürth. Grundstein des Erfolges war der legendäre Radio-Baukasten „Heinzelmann“, den er 1946 auf den Markt brachte. Mit immer neuen Produkten wie Plattenspielern, Tonbandgeräten und schließlich Fernsehern versorgte Grundig in den Wirtschaftswunderjahren die Deutschen. Ein gigantischer Markt mit einem nicht enden wollenden Wachstum tat sich auf.

Auf seinem Höhepunkt Ende der siebziger Jahre beschäftigte Grundig fast 40000 Menschen in 30 Werken im In- und Ausland. Doch schon zu diesem Zeitpunkt zeichneten sich existenzgefährdende Probleme ab. Die japanischen Konkurrenten wie Sony, Panasonic oder Sharp wurden immer stärker. Ihre Produkte waren innovativer, schöner und vor allem billiger. Eine Entwicklung, die der Firmenpatriarch Max Grundig zu spät erkannte. Das einstige Hightech-Gerät Fernseher war zur Massenware geworden, die sich in Deutschland nicht mehr kostendeckend herstellen ließ. Innovationen, mit denen Grundig in Jahrzehnten zuvor noch Furore machte, gab es nicht mehr. Und den Walkman, den CD-Player oder die DVD haben andere erfunden. Weder der Einstieg des holländischen Elektronikkonzerns Philips noch des bayerischen Antennenherstellers Anton Kathrein konnte den Niedergang stoppen. Heute beschäftigt Grundig noch 3800 Mitarbeiter.

Mit dem Insolvenzantrag vom Montag wird die Zerschlagung des Unternehmens wahrscheinlich. Einzelne Unternehmensteile wie die Autoradiosparte arbeiten noch profitabel. Andere, wie die Fernsehproduktion in Wien, stehen vor dem Aus. Die Hoffnung, dass zumindest der Markenname Grundig erhalten bleibt, könnte sich ebenfalls als trügerisch erweisen. „Das dachte man bei Telefunken oder Nordmende auch. Heute hört man von ihnen nichts mehr“, sagt ein Branchenkenner.

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