Politik : Kein Mann für harsche Töne

NAME

Von Sven Lemkemeyer

Die harschen Töne sind seine Sache nicht. Dabei erfüllt Wolfgang Schneiderhan, seit Donnerstag neuer Generalinspekteur (GI) der Bundeswehr, im Gegensatz zu seinem Vorgänger die ungeschriebene Regel, wonach der oberste Soldat wenigstens einmal in seiner Karriere als Kommandeur Befehle erteilt haben sollte.

Während der forsche, zuweilen aufbrausende Harald Kujat, der in Brüssel den Vorsitz des Nato-Militärausschusses übernimmt, den Großteil seiner Dienstzeit in Stäben verbrachte, ist der 56-jährige Schneiderhan ein Mann der Truppe: Nach dem Abitur verpflichtete sich der Schwabe zunächst für zwei Jahre, wurde Panzeroffizier, Kompaniechef, Stabsoffizier für Rüstungskontrolle bei der Nato und bis 1997 Brigadekommandeur in Erfurt. Danach wechselte der Vater von fünf Kindern als Chef des Planungsstabes ins Verteidigungsministerium – wo er Kujat beerbte.

Schneiderhan, den seine Umgebung für seine amüsante, selbstironische Art schätzt, sieht sich als Teamspieler, der seine Arbeit leise verrichtet. Durch seine Zeit in den Kasernen kennt er die Sorgen und Nöte seiner Untergebenen. So macht er keinen Hehl daraus, dass ihm die Fürsorge für die Soldaten besonders wichtig ist. Seinen Posten als Vier-Sterne-General verdankt Schneiderhan neben seinem strategischen und planerischen Talent zwei weiteren Eigenschaften: seinem professionellen Verhältnis zur Politik und seiner Loyalität gegenüber Verteidigungsminister Rudolf Scharping. Bei allen Vorschusslorbeeren, der neue GI weiß um die Stimmung in der Truppe, kennt die Schwere seiner Aufgabe: Die Reform der Bundeswehr muss weitergehen, die Anforderungen wachsen, die Finanzknappheit aber wird vermutlich bleiben – egal, wer die Wahl gewinnt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar