Kernkraft : Rätselraten über Störfälle von Krümmel und Brunsbüttel

Trafobrand erst nach einem Tag gelöscht – Landesregierung von Schleswig-Holstein bestellt Vertreter von Vattenfall ein.

Dieter Hanisch[Kiel]

Einen Tag nach dem Trafobrand im Atomkraftwerk Krümmel bei Geesthacht und der Schnellabschaltung des Reaktors in Brunsbüttel haben Experten noch keine Erklärung für die beiden Störfälle. Einen Zusammenhang zwischen beiden Ereignissen jedoch will der Betreiber Vattenfall Europe nicht ausschließen.

Inzwischen ist der Brand in Krümmel vollständig gelöscht. In der Nacht zu Freitag musste die Werksfeuerwehr noch Brandwache halten und den Brandherd innerhalb des Trafogebäudes bekämpfen. Wegen der gewaltigen Hitzeentwicklung konnte erst am frühen Freitagnachmittag eine erste oberflächliche Begehung des Transformatorenhäuschens durch einen Vertreter der Versicherung Germanische Lloyds erfolgen. Mit ihm vor Ort sind Vertreter von Tüv Nord und Vattenfall-Fachleute. Der Stromversorger ist für den heutigen Sonnabend zu einem Gespräch ins Kieler Sozialministerium einbestellt. Dabei wird auch erörtert, um welche Art Störfall es sich bei beiden Meilern gehandelt hat.

„Beide Vorgänge sind auf jeden Fall meldepflichtig“, sagte Ministeriumssprecher Oliver Breuer. Ivo Banek, Vattenfall-Sprecher, erklärte dagegen, der Brand in Krümmel sei nicht als Störfall zu klassifizieren, da er sich außerhalb des Reaktors ereignet habe. Beide Reaktoren werden vorerst nicht wieder ans Netz gehen, hieß es aus dem für die Atomaufsicht zuständigen Sozialministerium in Kiel. Für den am Mittwoch tagenden Sozialausschuss des Landtages hat die FDP einen Sachstandsbericht angefordert. Laut Breuer drang das Feuer nicht über Kabelkanäle aus dem Trafo in den Reaktorkern ein. Schutzsperren hätten dies verhindert.

Die Staatsanwaltschaft in Lübeck hat inzwischen Ermittlungen eingeleitet. Das geschehe immer bei Bränden mit unbekannter Ursache, hieß es aus der Behörde. Gerätselt wird weiterhin über die Gründe für den Kurzschluss in Brunsbüttel am Donnerstag um 13 Uhr 10 sowie für den Kurzschluss um 15 Uhr 02 in Krümmel, der dem dortigen Brand vorausging. Möglicherweise haben Reparaturen an der Schaltzentrale den Kurzschluss in Brunsbüttel ausgelöst. Danach musste der Reaktor schnell abgeschaltet werden, da seine Leistung nicht mehr abgenommen werden konnte.

Unstrittig ist, dass es im Stromnetz von Schleswig-Holstein zuvor Spannungsschwankungen gegeben hat. Diese wurden auch beim dritten schleswig-holsteinischen Kernkraftwerk gemessen, doch hat dies dort zu keiner Panne geführt. Anders als in Hamburg, wo zweimal für kurze Zeit Hunderte von Ampelanlagen in der gesamten Stadt sowie Signale und Stellwerke der U- und S-Bahn ausfielen, sind nach den Zwischenfällen in Schleswig-Holstein nirgends Stromaussetzer bekannt geworden. Im Normalbetrieb liefern die Reaktoren Brunsbüttel und Krümmel rund 50 Prozent des Strombedarfs für das gesamte nördliche Bundesland.

In der nächsten Woche kommt es in Berlin zum Energiegipfel. Durch die beiden aktuellen Störfälle ist die Debatte über die Kernenergienutzung und die Versorgungssicherheit wieder intensiviert worden. Atomkraftgegner haben für Sonntag um 14 Uhr zu einer Demonstration in Krümmel aufgerufen.

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