Politik : Kernland in Frauenhand

Ilse Aigner wird CSU-Chefin in Oberbayern und hat damit beste Karten für die Zeit nach Horst Seehofer

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Als Karl-Theodor zu Guttenberg wegen der Plagiatsaffäre Anfang März von allen Ämtern zurücktrat, wurde auch ein höchst bedeutender Posten in der CSU frei: der des neuen Kronprinzen oder der Kronprinzessin. Plötzlich war wieder offen, wer auf CSU-Chef und Ministerpräsident Horst Seehofer folgen könnte, nachdem die Partei dem blendenden Guttenberg gerne alles in die Hände gelegt hätte.

Jetzt ist Ilse Aigner, Bundesministerin für Verbraucherschutz, unangefochten die Nummer zwei bei den Christsozialen. Denn am Samstag wurde sie mit satten 98,2 Prozent an die Spitze des CSU-Bezirksverbandes Oberbayern gewählt. Mit 44 000 Mitgliedern ist dies der in der Partei mit Abstand mächtigste Bezirksverband. Aigner folgt auf Siegfried Schneider, einst Chef der Staatskanzlei, der den Posten aufgab, weil er Präsident der Landeszentrale für neue Medien wurde.

An Ilse Aigner kommt in der CSU keiner mehr vorbei. Sollte Seehofer die Landtagswahl im Herbst 2013 passabel gewinnen, dann dürfte er zur Mitte der darauf folgenden Legislaturperiode, mit dann 65 Jahren, an den Abschied denken. Für Oberbayern hatte sich eigentlich Landes-Finanzminister Georg Fahrenschon interessiert. Der 43-Jährige wird als Hoffnungsträger angesehen. Er ist ein harter Sacharbeiter, aber wenig charismatisch. Als Aigner die Kandidatur bekannt gab, zog er zurück. Auch Sozialministerin Christine Haderthauer (48) strebt unverkennbar nach Höherem. Darauf angesprochen, ob sie Ministerpräsidentin werden wolle, sagte sie im November 2010: „Warum sollte ich es mir nicht zutrauen?“ Ilse Aigner hat jüngst auf eine ähnliche Frage deutlich diplomatischer geantwortet: „Frauen sind für jeden Posten geeignet.“

In der CSU stehen die Zeichen in jedem Fall auf weiblich, hat die Partei doch auch eine Quote von 40 Prozent Mandatsträgerinnen unterhalb der Bezirksebene beschlossen. Horst Seehofer forciert das, denn bei Frauen hat die männerdominierte Partei eines ihrer größten Defizite.

Ilse Aigner ist zwei Jahre jünger als Haderthauer, wirkt aber politisch reifer. Haderthauer indessen scheint der Kompass zu fehlen. So hatte sie viel Kritik geerntet, als sie Asylbewerbern, die wegen katastrophaler Unterkünfte in den Hungerstreik getreten waren, riet, einfach wieder nach Hause zu gehen. Auch wurde es als mehr als unglücklich angesehen, dass sie vor Weihnachten den Eindruck erweckte, sie wolle alten und kranken Hartz-IV-Empfängern in der Landeshauptstadt den Zuschlag von 20 Euro monatlich streichen, den sie bekommen, weil in München alles deutlich teurer ist als etwa im Bayerischen Wald.

Ilse Aigner hingegen erweckt in München den Eindruck, dass sie als Bundesministerin respektabel arbeitet und die fortlaufenden Krisen um Dioxineier, Ehec oder falsche Lebensmittelkennzeichnungen bewältigt. Auch würde sie nie gegen Seehofer sticheln oder gar rebellieren.

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