Politik : Kleinfamilienpolitik

Antje Sirleschtov

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Wie viele Kinder sollte eine Familie haben? Mindestens zwei natürlich, ist doch sonnenklar. Weil man Mensch-ärgere-dich- nicht kaum allein spielen kann und es ja auch später viel besser ist, über solch wichtige Dinge wie Liebeskummer im Kinderzimmer zu sprechen als mit Mutter und Vater. Für die es im Übrigen auch ganz erholsam sein kann, wenn sie der Bälger mindestens zwei haben. Schon wegen des unschätzbaren Zeitgewinns bei allen möglichen Verrichtungen, bei denen man die lieben Kleinen nur sehr ungern dabei hat. Schon Oma sagt: Das zweite erzieht sich von allein.

Finden auch die Regierenden (und Oppositionellen) hier hinter den Linden. Da decken sich die praktischen Familienerfahrungen in erstaunlicher Weise mit den politischen Zielvorstellungen. Mindestens zwei Kinder in einem Haushalt: Das löst so manches Neuzeitproblem der Gesellschaft, bringt Erleichterung ins allgegenwärtige Demographiedilemma. Also Kita-Plätze für jedermann und Steuerbonus für Vielerziehende. Das gehört ganz oben auf die Pflichtlisten eines jeden modernen Parteiprogramms. Wenn, ja, wenn da nicht der dumme Föderalismus wäre, der jedes bundespolitische Macht-Kinder!-Programm gleich wieder ad absurdum führt.

Beispiel Schwimmbad in Berlin, öffentlicher Badespaß, keine zwei Kilometer entfernt vom Bundeskanzleramt. Für Mama, Papa und Kind gehört der Besuch zum Wochenendprogramm. Was vom Land auch großzügig mit der Familienkarte unterstützt wird. Nur mit dem Schwesterchen, da hört der familienpolitische Spaß in der Bundeshauptstadt auf. O-Ton der Kassiererin: „In Berlin hat die Familie nur ein Kind.“ Fürs zweite zahlt man drauf.

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