Politik : Klimaveränderung: Deutsche erzeugen erstmals wieder mehr Treibhausgase

Der Kohlendioxid-Ausstoß in Deutschland ist nach Einschätzung des Bundesumweltministeriums im vergangenen Jahr zum ersten Mal seit langem wieder gestiegen. Die Beamten von Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) berufen sich dabei nach Informationen des "Spiegel" auf ein Gutachten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), das am Dienstag vorgestellt wird.

"Das ist eine Trendumkehr", sagte ein Spitzenbeamter des Ministeriums. Die Ursache für den Anstieg sei der vermehrte Einsatz von Braunkohle in der ostdeutschen Industrie. Zwar ist der Primärenergieverbrauch - sämtliche Energieträger, die zur Strom- und Wärmeerzeugung eingesetzt werden - in Deutschland im vergangenen Jahr sogar um 0,2 Prozent auf 484 Millionen Tonnen Steinkohleeinheiten (SKE) gesunken, schreibt das DIW in seinem Wochenbericht vom 30. Januar. Doch mit 53 Millionen Tonnen SKE stieg der Braunkohleverbrauch im Vergleich zum Vorjahr um fünf Prozent. Bei der Verbrennung von Braunkohle wird viel mehr Kohlendioxid freigesetzt, als beim Einsatz von Erdgas. Für Deutschland werde es immer schwieriger, bis 2005 den Ausstoß des Treibhausgases um 25 Prozent gegenüber 1990 zu reduzieren, also das selbstgesteckte Klimaschutzziel zu erreichen.

Trotzdem hat sich Bundesverkehrsminister Kurt Bodewig (SPD) dagegen ausgesprochen, die jährliche Erhöhung der Ökosteuer um sechs Pfennig über das Jahr 2003 hinaus beizubehalten. Bodewig sagte "Bild am Sonntag": "2003 wird es die letzte Erhöhung der Ökosteuer geben. Das ist so beschlossen." Es gebe keinen Grund, darüber hinaus zu gehen.

Die Grünen wollen die Ökosteuer dagegen auch über 2003 hinaus beibehalten. Die ökologische Steuerreform sei "eines der wichtigsten Instrumente bei der Modernisierung der Volkswirtschaft", sagte der umweltpolitische Sprecher der Grünen, Reinhard Loske, am Sonntag in Berlin auf der Umweltkonferenz "Neue Instrumente für die Umwelt". Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) regte Sanktionen gegen die Industrie an, wenn Umwelt-Selbstverpflichtungen ihr Ziel nicht erreichen.

Klimawandel wird teuer

Die Folgekosten der Erderwärmung könnten in 50 Jahren mehr als 600 Milliarden Mark jährlich betragen, wenn der Ausstoß von Treibhausgasen nicht reduziert wird. Davor warnt ein Bericht des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (Unep), der in Nairobi veröffentlicht wurde. "Wir müssen jetzt handeln", mahnte Unep-Direktor Klaus Töpfer. Von Montag an kommen Umweltminister aus 100 Ländern zur 21. Sitzung des Unep-Verwaltungsrates Töpfer forderte, den Entwicklungsländern zu helfen, mit den Folgen der Erderwärmung fertig zu werden. "Wir haben die moralische Verantwortung für unsere Mitmenschen, sie und ihre Familien vor Nahrungsmittelknappheit und verheerenden Überflutungen zu schützen", sagte Töpfer.

Ende Januar war der Klimabericht der Vereinten Nationen erschienen. Danach erwärmt sich die Erde viel stärker als bislang angenommen: In den nächsten hundert Jahren könnte sich die Erdtemperatur um bis zu 5,8 Grad Celsius erhöhen.

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