Politik : Klimawandel kostet jährlich Milliarden Minister diskutieren in Berlin über Lösungen

Dagmar Dehmer

Berlin - Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hat die Zumutungen gleich an den Anfang gestellt. Zum Auftakt des sogenannten Gleneagles-Dialogs von Umwelt- und Energieministern aus 20 Ländern – neben den G-8-Staaten sind die wichtigsten Schwellenländer, Polen, Australien vertreten – entwarf Gabriel seine Vorstellungen für ein neues Klimaschutzabkommen. Er verlangte am Montag in Berlin „anspruchsvolle, absolute Reduktionsverpflichtungen für die Industrieländer“. Zudem will er die Schwellenländer dazu bewegen, nicht nur an einem Dialog teilzunehmen. Gabriel forderte China, Indien und Brasilien auf, bei der UN-Klimakonferenz auf Bali im Dezember auch formellen Verhandlungen über einen eigenen Beitrag zum Klimaschutz zuzustimmen. Gabriel nannte als ein wichtiges Element auch finanzielle Mittel für eine Anpassung an den Klimawandel.

Bisher stehen nach Informationen der Entwicklungsorganisationen Germanwatch und Oxfam weltweit gerade mal 182 Millionen Dollar jährlich für die Anpassung zur Verfügung. Nach einer Schätzung von Oxfam liegt der Bedarf aber bei rund 50 Milliarden Dollar im Jahr, sagte Reinhard Hermle. Aus Sicht der Nichtregierungsorganisationen (NGO) ist klar, wer für diese Kosten aufkommen muss: die Industrienationen. Oxfam hat in einem Anpassungsindex errechnet, dass, dem Verursacherprinzip folgend, die USA 40 und die Europäische Union 30 Prozent der Anpassungskosten zu tragen hätten.

Das sieht Eveline Herfkens, die für die Vereinten Nationen für die Kampagne zur Erreichung der UN-Entwicklungsziele zuständig ist, ganz ähnlich. Denn das Ziel, die Armut bis 2015 zu halbieren, beispielsweise, werde durch den Klimawandel infrage gestellt, sagte sie vor wenige Tagen in Düsseldorf. Als ein Beispiel dafür nannte sie die „sich ändernden Niederschlagsfallmuster“, die für die Mehrzahl der Bauern in Entwicklungsländern, die ohne Bewässerungssysteme auskommen müssen, zu „verheerenden Ernten“ führen. Wie derzeit im Rift Valley in Kenia, wo Dauerregenfälle seit Monaten ausgerechnet in der „Brotregion“ des Landes die Ernten sehr unsicher machen.

Die UN-Klimabotschafterin Gro Harlem Brundtland, die beim Gleneagles-Dialog den Eröffnungsvortrag hielt, sprach deshalb davon, dass der Klimawandel „von der Welt Entscheidungen von solcher Reife verlangt, wie es sie in der Geschichte noch nicht gegeben hat“. Sie begründete diese Einschätzung mit der Tatsache, dass die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels erst sichtbar werden, wenn die politischen Entscheidungen schon lange gefällt worden sind. Zudem könne kein einzelnes Land „einfach aussteigen“. Und zudem fehle es am notwendigen Vertrauen zwischen Industrie- und Entwicklungsländern, stellte sie fest. Um dieses zu stärken, diskutieren die Minister zwei Tage lang über Möglichkeiten, ihre Energieversorgung klimafreundlicher zu gestalten und Mittel dafür und für die Anpassung an den Klimawandel verfügbar zu machen. Dagmar Dehmer

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