Politik : Klon-Diskussion: Empörung über Nida-Rümelin

Äußerungen des designierten Kulturstaatsministers Julian Nida-Rümelin (SPD) zur Menschenwürde von Embryonen haben am Donnerstag eine heftige Diskussion ausgelöst. Nida-Rümelin hatte am Mittwoch im Tagesspiegel erklärt, Menschenwürde bedeute, dass keinem menschlichen Wesen die Selbstachtung genommen werden dürfe; da sich die Selbstachtung eines Embryos aber nicht beschädigen lasse, lasse sich "das Kriterium der Menschenwürde nicht auf Embryonen ausweiten".

Heftige Kritik erntete der SPD-Politiker von der Deutschen Bischofskonferenz, dem Vorsitzenden des Evangelischen Arbeitskreises (EAK) der CDU/CSU, Jochen Borchert, und dem stellvertretenden Vorsitzenden der Bundestagsenquete-Kommission zur Biomedizin, Hubert Hüppe (CDU). Der Pressesprecher der Bischofskonferenz, Rudolf Hammerschmidt, sagte in Bonn, es sei bedrückend, wenn ein Minister nur demjenigen Menschenwürde zuerkenne, dem auch die Selbstachtung genommen werden könne. Selbstachtung und das Recht auf Leben würden dem Menschen nicht verliehen, sondern seien ihm unabhängig vom Entwicklungsstand oder geistigen Fähigkeiten eigen. Wenn die Behauptung des SPD-Politikers stimme, hätten auch schwer behinderte Menschen oder bereits geborene Säuglinge keine Menschenwürde. Auch Borchert (CDU) warf dem SPD-Politiker vor, den Begriff der Menschenwürde zu verkürzen.

Bereits am Mittwoch hatte Hüppe die Äußerungen Nida-Rümelins als "äußerst gefährlich" bezeichnet. Der SPD-Politiker drohe schon vor seinem Amtsantritt zu einem "Staatsminister der Unkultur" zu werden, sagte der Unionsabgeordnete. Hüppe erntete dafür am Donnerstag seinerseits Kritik der Margot von Renesse (SPD), Vorsitzende der Enquete-Kommission. Es sei eine offene Frage, ob einem menschlichen Embryo vor der Einnistung in den Mutterleib im gleichen Umfang Menschenwürde zukomme wie geborenen Menschen. Aufgabe der Enquete-Kommission des Bundestages sei es, sich mit offenen rechtsethischen Fragen zu beschäftigen. Dazu gehöre die Fähigkeit, andere Auffassungen ernst zu nehmen und auf persönliche Verurteilungen zu verzichten.

Möglicherweise seien der Fortbestand der Menschheit und die genetische Vielfalt bedroht, wenn Kinder nach den Wünschen ihrer Eltern geklont würden.

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