Politik : Klonen: "Wir brauchen die embryonalen Stammzellen nicht"

Claudia von Salzen

Die gesellschaftliche Debatte über die neuen Möglichkeiten der Biomedizin und die ethischen Grenzen hat gerade erst begonnen. Großbritannien hat das Klonen von Embryonen zu therapeutischen Zwecken erlaubt. Nun muss sich auch in Deutschland die Politik damit auseinandersetzen, was sie zulassen will und was sie verbieten muss. Mit den Alternativen zur embryonalen Stammzellenforschung befasste sich die SPD-Arbeitsgruppe der Enquete-Kommission "Recht und Ethik der modernen Medizin" in einem öffentlichen Streitgespräch.

Von der embryonalen Stammzellenforschung erhoffen sich viele Wissenschaftler Fortschritte bei der Therapie von bisher unheilbaren Krankheiten. Denn mit dieser Methode ließe sich eine Vielzahl von Zellarten und Körpergewebe erzeugen. Der Würzburger Zellforscher Ulf Rapp etwa sprach sich gegen eine Beschränkung der Forschung auf adulte Stammzellen aus. Diese Zellen von Erwachsenen, die beispielsweise aus dem Knochenmark entnommen werden, seien in ihrer Möglichkeit, verschiedene Gewebe zu bilden, sehr begrenzt. Daher könne man nicht alle Hoffnungen auf adulte Stammzellen setzen.

Der Internist und Biotechnologieunternehmer Eberhard Lampeter hingegen bewertet die Möglichkeiten der Alternativen zum therapeutischen Klonen weitaus höher. Mit adulten Stammzellen und mit Stammzellen, die aus Nabelschnurblut gewonnen werden, könne man ebenfalls die gewünschten therapeutischen Ziele erreichen. "Wir brauchen die embryonalen Stammzellen und den Verbrauch von Embryonen nicht", so Lampeter. Damit widerlegte er zugleich die Auffassung, dass die Biotechnologieunternehmen generell an der Embryonenforschung interessiert sind. Zudem wies Lampeter auf ein ethisches Problem hin, das bisher kaum Beachtung gefunden habe: Für die embryonale Stammzellenforschung müssten Hunderttausende Frauen Eizellen spenden.

Gegen das therapeutische Klonen sprach sich auch der Parlamentarische Staatssekretär im Forschungsministerium, Wolf-Michael Catenhusen, aus. Neue Verfahren im Bereich der viel versprechenden Stammzellenforschung müssten sorgfältig geprüft werden: "Vielleicht ist die Wirklichkeit in der Forschung in fünf Jahren weitaus vielfältiger, als es manche uns jetzt glauben machen wollen." Catenhusen gab zu bedenken, dass die Pioniere der Stammzellenforschung oft auch Patentinhaber seien und somit kommerzielle Interessen hätten. Derzeit sei noch gar nicht klar, ob man in zehn oder 20 Jahren tatsächlich ganze Organe herstellen könne. Zum Abschluss des Streitgesprächs forderte Wolfgang Wodarg, SPD-Obmann in der Enquete-Kommission "Recht und Ethik der modernen Medizin", einen breiten demokratischen Meinungsbildungsprozess, bei dem es keinen Zeitdruck geben dürfe. Neben den wissenschaftlichen Fragen seien noch zahlreiche rechtliche und ethische Probleme zu klären. Doch diese Debatte hat gerade erst begonnen.

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