Politik : Kölner Oberbürgermeister-Wahl: Die SPD fordert Kanzlerhilfe an

Bundeskanzler Gerhard Schröder soll in der zweiten Runde des Kölner Oberbürgermeisterwahlkampfes der SPD-Kandidatin den nötigen Schub für die Stichwahl am 17. September verschaffen. Für SPD-Bewerberin Anke Brunn, die bei der Wahl am Sonntag mit 8,4 Prozentpunkten Rückstand nur zweite hinter Fritz Schramma von der CDU wurde, ist wenige Tage vor der Stichwahl ein Auftritt Schröders in der Domstadt vorgesehen. Schramma hat es da schwerer, noch einmal zuzulegen: Parteichefin Angela Merkel war Tage vor dem ersten Wahlgang schon da.

Der CDU-Bewerber hatte am Sonntag 47,3 Prozent der Stimmen geholt, SPD-Kandidatin Brunn 38,9 Prozent. Barbara Moritz von den Grünen kam auf 9,1 Prozent, FDP-Bewerber Ralph Sterck musste sich mit zwei Prozent begnügen. Die übrigen zehn Kandidaten, darunter drei, die dem rechten politischen Rand zuzurechnen sind, kamen zusammen auf 2,7 Prozent.

Da kein Bewerber auf Anhieb mehr als 50 Prozent der Stimmen errang, sind die rund 712 000 Wahlberechtigten in Köln am 17. September erneut an die Urnen gerufen, um zwischen den beiden Führenden, Schramma und Brunn, zu entscheiden. Allerdings zeigten schon im ersten Durchgang nur 40,8 Prozent der Kölner Interesse an der Wahl, obwohl der oder die Neue neun Jahre an der Spitze der Stadt stehen wird. Bei der Kommunalwahl vor einem Jahr hatte es im ersten Durchgang eine Beteiligung von 45,8 Prozent gegeben, bei der auch damals notwendigen Stichwahl waren es nur noch 38,1 Prozent.

CDU und SPD gaben sich für den nächsten Anlauf zuversichtlich. CDU-Landeschef Jürgen Rüttgers nannte das Ergebnis Schrammas eine Anerkennung für die ehrliche und bürgernahe Politik der CDU. Er äußerte die Hoffnung, dass der Unionskandidat nun Stimmen von Wählern erhalten werde, die im ersten Wahlgang für FDP und Grüne gestimmt hätten. Der Generalsekretär der Landes-CDU, Herbert Reul, sagte, Schramma habe jetzt "beste Chancen, Oberbürgermeister zu werden". Der CDU-Kandidat selbst meinte, er sei mehr als zufrieden.

Doch auch Brunn hofft auf Stimmen der Grünen-Wähler. SPD-Landesvorsitzender Franz Müntefering meinte, das Ergebnis mache Mut. In den kommenden zwei Wochen werde die Kölner SPD noch einmal zeigen, was in ihr stecke. Wichtig sei, die Wahlbeteiligung zu steigern. Brunn wertete ihr Ergebnis als Erfolg, da sie gegenüber den Umfragen aufgeholt habe. Schramma habe sein Ziel der absoluten Mehrheit verfehlt. Nun wolle sie bis zur Stichwahl einen Wahlkampf mit Sachthemen "ohne Klüngel und Karneval" betreiben. Grüne wie FDP zeigten sich enttäuscht über ihr Abschneiden. Beide Parteien wollen in den nächsten Tagen entscheiden, ob sie ihren Anhängern die Unterstützung eines der Kandidaten bei der Stichwahl empfehlen.

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben