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Konflikt im Südkaukasus : Waffenruhe im Konflikt um Berg-Karabach

Mehr als 60 Menschen kamen seit Freitag in dem Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan ums Leben. Jetzt ist eine Waffenruhe in Kraft getreten.

Die Separatisten aus Berg-Karabach kämpfen für die Unabhängigkeit. Foto: Vahan Stepanyan/REUTERS
Die Separatisten aus Berg-Karabach kämpfen für die Unabhängigkeit.Foto: Vahan Stepanyan/REUTERS

Vier Tage nach dem Wiederaufflammen der Kämpfe um die Kaukasusregion Berg-Karabach haben die Konfliktparteien die Waffen ruhen lassen. Das aserbaidschanische Verteidigungsministerium bestätigte am Dienstagmittag Angaben von Berg-Karabach, wonach beide Seiten nunmehr eine Feuerpause einhalten wollen. Bei den schwersten Kämpfen in der Region seit mehr als 20 Jahren waren zuvor 64 Menschen getötet worden. In den kommenden Tagen soll eine internationale Vermittlungsmission starten.

"Die militärischen Operationen sind um 12.00 Uhr beendet worden", hieß es in der Erklärung des Verteidigungsministeriums in Baku. Kurz zuvor hatte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums von Berg-Karabach erklärt: "Wir haben eine Vereinbarung für eine Feuerpause erreicht. Es wurde Befehl erteilt, die Gefechte zu beenden." Ein AFP-Fotograf an der Grenze zu Berg-Karabach bestätigte die Einstellung der Kampfhandlungen.

Zwischen Aserbaidschan und der abtrünnigen Region Berg-Karabach, die von Armenien unterstützt wird, schwelt seit Jahrzehnten ein Konflikt. In den vergangenen Tagen waren an der Grenze der Kaukasusregion Kämpfe aufgeflammt, in deren Verlauf 64 Menschen getötet wurden. Die aserbaidschanische Armee eroberte nach eigenen Angaben am Wochenende mehrere Stellungen in Berg-Karabach und verschob damit erstmals seit 1994 die Frontlinie.

Minsk-Gruppe berät über den Konflikt

Russland und der Westen riefen die Konfliktparteien umgehend zur Deeskalation und Einstellung der Kämpfe auf. In Wien war am Dienstag ein Treffen der von Russland, Frankreich und die USA angeführt Minsk-Gruppe angesetzt, die sich seit Jahren für eine Lösung des Konflikts einsetzt. Auch Vertreter Armeniens und Aserbaidschans sollten daran teilnehmen.

Nach Angaben des französischen Außenministeriums wollen die drei Co-Vorsitzenden der Minsk-Gruppe, Pierre Andrieu, Igor Popow und James Warlick, in den kommenden Tagen eine Vermittlungsmission in der Region starten. Geplant seien Beratungen in Baku, Eriwan sowie in Berg-Karabach.

Die mehrheitlich armenische Region Berg-Karabach hatte sich Anfang der 90er Jahre in einem Bürgerkrieg mit Unterstützung Armeniens von Aserbaidschan abgespalten. Ihre Unabhängigkeit wird international nicht anerkannt und Baku hält an seinem Anspruch auf die Region fest.

Trotz des seit 1994 geltenden Waffenstillstands wurde der Karabach-Konflikt offiziell nie beigelegt. 2008 vereinbarten die beiden Ex-Sowjetrepubliken Armenien und Aserbaidschan, eine politische Lösung des Konflikts anzustreben, aber auch in den folgenden Jahren gab es Gefechte mit dutzenden Toten.

Der Konflikt ist besonders brisant, da auch die Interessen zweier Regionalmächte betroffen sind. Die Türkei steht historisch eng an der Seite Aserbaidschans, während Russland Armenien militärisch unterstützt. Wegen des Bürgerkriegs in Syrien sind die Beziehungen zwischen Ankara und Moskau derzeit äußerst angespannt.

Am Mittwoch empfängt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) den armenischen Präsidenten Sersch Sarkissjan im Kanzleramt. Sarkissjan sowie sein Außenminister Edward Nalbandian werden zuvor Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) treffen. Der Konflikt um Berg-Karabach soll im Mittelpunkt der Gespräche stehen. (AFP)

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